Gibt es eine Medienkampagne gegen den Papst? Eigentlich für jeden Menschen mit Augen und Ohren keine Frage mehr nach den Vorkommnissen der letzten Tage. Und dennoch gäbe dies natürlich niemand zu, und ich selbst habe heute auf meinem Blog einen Kommentar erhalten, der genau dies bestritt.
Ich habe danach einmal einige andere Blogs durchsucht, und bin auf dem Blog „Mittelwächter“ auf einen Link zu einem Artikel von „eigentümlich frei“ gestoßen, eine Publikation, deren Ausrichtung als libertär zu charakterisieren ist. Die insgesamt drei dort verfügbaren Artikel zum Thema Piusbruderschaft / Hetzjagd auf den Papst gehören in der Tat zum Besten, was zu diesem Thema geschrieben worden ist. Ich werde mich darauf beschränken, einige wenige Stellen zu zitieren, doch sind die drei Artikel für Libertäre, Konservative, Mischlinge dieser beiden Arten (wie Catocon) und überhaupt jeden freiheitsliebenden, vernünftigen MEnschen absolute Pflichtlektüre.
Und dies gilt nicht nur hinsichtlich der aktuellen Kontroverse um Benedikt, sondern allgemein als Gesellschaftsdiagnose. Die allmähliche Erosion von Freiheitsrechten im Namen der Political Correctness, die Notwendigkeit von Tradition für das gesellschaftliche Zusammenleben, die lange Geschichte häßlicher Medienkampagnen gegen Anderdenkende und vieles, vieles mehr findet Platz in diesen drei Artikeln.
Eigentümlich frei vom 27. Januar:
Und während die dem Zeitgeist hinterherlaufenden Amtskirchen mit Hobby-Theaterstück-Aufführungen vor leeren Kirchenrängen peinlich auffällig werden, dürfte das ohnehin steigende Interesse am katholischen Traditionalismus wie auf der anderen Seite an evangelikalen Freikirchen weiter zunehmen. Gedankt sei der Empörungsberichterstattung jener, die zwei- bis dreimal im Jahr Adolf Hitler in Nahaufnahme mit gut sichtbarem Hakenkreuz am Revers auf ihr „Spiegel“-Cover platzieren, damit die Auflage steige.
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Die 68er-(Ex-)Zeitgeistkirchen aber mit all ihrem antikapitalistischen Öko- und Drittweltklimbim – beispielhaft sei die großspurige Coca-Cola-Boykottkampagne des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) genannt – sind längst nur noch zum Davonlaufen. Und die Mainstreammedien? Würden sie ihre Wächterfunktion gegenüber der Politik oder auch nur ihren eigenen antifaschistischen Anspruch wirklich ernst nehmen, müssten sie sich gerade jetzt einsetzen für die Meinungsfreiheit des Bischofs und gegen die jedem intelligenten Menschen unwürdige und in unseligster Tradition stehende Strafverfolgung falscher Meinungen in Deutschland.
Eigentümlich frei vom 31. Januar:
Die zunehmende Empörungswelle war vorauszusehen. Sie nimmt für den Papst nun bedrohliche Ausmaße an. Der Zentralrat der Juden in Deutschland brach den Kontakt mit der Kirche ab, Israel droht mit dem Ende der diplomatischen Beziehungen, und auf dem Cover des BRD-Zentralorgans „Der Spiegel“ am kommenden Montag wird einmal nicht Adolf Hitler zu finden sein, sondern ein Bild Benedikts mit der Schlagzeile: „Der Entrückte: Ein deutscher Papst blamiert die katholische Kirche“.
Auch andere Massenmedien, allen voran die, denen die katholische Kirche von jeher ein Dorn in ihrem fortschrittlichen Auge ist, sind sich seit Tagen einig: Der Papst hat einen schweren Fehler gemacht. Er müsse ihn zurücknehmen und sich entschuldigen. Das obligatorische Unterwerfungsritual – von Kerner in seinem Tribunal gegen Eva Herman einst vor Millionenpublikum bis über jede Peinlichkeitsgrenze und abermalige Wiederholungsschleife hinweg verlangt – wird jetzt vom Oberhaupt der katholischen Kirche eingefordert. Der Papst „muss“ sich beugen und öffentlich Abbitte leisten, hören wir auf allen Kanälen. Ohnehin und endgültig, so wird schlau vom „Tagesspiegel“ eingestreut, habe sich nun das Unfehlbarkeitsdogma als „Irrtum“ erwiesen. Womit wir beim Thema sind.
Es geht offenbar um Religion. Und um Tabus. Seit Menschengedenken hat es keine Gesellschaft ohne Tabuzonen gegeben. Ausgesprochene Ge- und Verbote sowie unausgesprochene Tabus sind die Abzäunungen, die offenbar nötig sind, um ein einigermaßen reibungsloses und vorausschaubares Leben für den Einzelnen zu ermöglichen. Die biblischen Zehn Gebote sind ein Beispiel für diese Grenzziehung. Jahrhundertelang galten sie, heute wirken sie auf viele eher lachhaft als sinnstiftend: „Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.“ Totalitäres Christentum! „Du sollst Vater und Mutter ehren!“ Autoritär und altertümlich! „Du sollst nicht ehebrechen.“ Ein guter Witz beim nächsten Besuch des Christopher Street Day! „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.“ Der Neid ist das Fundament, auf dem der moderne Sozialstaat gebaut wurde.
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Die klassisch liberalen Ökonomen und Sozialphilosophen Friedrich August von Hayek etwa oder Ludwig von Mises wiesen immer wieder darauf hin, dass Menschen ohne gewachsene Traditionen „sozial blind“ seien, ja gar nicht lebensfähig.
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Das sehen auch die neuen Hohepriester der „Political Correctness“ so. Sie schufen deshalb neue Ge-und Verbote, deren Infragestellung keinem Menschen wirklich zu empfehlen ist. Heilig ist nun vor allem anderen die „Demokratie“.
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Dabei waren so ziemlich alle griechischen Philosophen und selbst alle Gründerväter der USA sich noch einig darin, dass demokratische Staaten dem Untergang geweiht sind.
Mit der Demokratie glauben wir heute an die Gleichheit des Menschen. Weshalb zum Beispiel die IQ-Forschung tabuisiert wird. Rassen, ja selbst Geschlechter, so wird uns nun gesagt, gibt es nicht (mehr). Männlichkeit und Weiblichkeit werden bereits im Kindergarten verfolgt und ausgetrieben wie einst allenfalls der Teufel.
Als wäre dies nicht genug, hat ein höchst diesseitiger Schuldkult die christliche Ursünde abgelöst. In den USA ist es die Schuld des weißen Mannes, die heute eine messiasähnliche Rolle Barack Obamas – und in Deutschland Liveübertragungen seiner Amtseinführung auf allen Kanälen gleichzeitig – ermöglichen. Auch hierzulande wird diesseitig Schuld zelebriert – die „spezifisch deutsche Schuld“. Der deutsch-amerikanische Historiker Paul Gottfried erklärt den Wandel so: Die metaphysische individuelle Schuld sei vor allem im protestantischen Nordeuropa, in den USA und Kanada in eine gesellschaftliche Schuld umwandelt worden. Manche säkularen Intellektuellen und einige protestantische Theologen sähen in dieser Schuldannäherung die Erfüllung der in der Bibel nur angedeuteten sozialen Gerechtigkeit sowie der christlichen Pietät. Die frühere christliche Verpflichtung zur Nächstenliebe werde, so Gottfried, heute in einen gesellschaftlichen Zwang umgewandelt. Der Umfang des zu bekämpfenden menschlichen Verhaltens – Stichwort: Antidiskriminierungsgesetze – werde dabei ständig erweitert.
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In der gewaltigen Medienkampagne, die nun gegen den Papst geführt wird, ist ihre Hemmungs- und Erbarmungslosigkeit auffallend. Widerspruch, und sei es auch nur am Rande der Debatte, wird nicht mehr geduldet. In die Fernseh-Talkshows zum Thema wurde schlicht kein einziger Gast eingeladen, der auch nur ansatzweise der Anklage widersprochen hätte.
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Nun gibt es aber zwischen den Ge- und Verboten der modernen Politischen Korrektheit und den biblischen Zehn Geboten einen grundlegenden Unterschied. Handelte es sich früher vor allem um tabuisierte Handlungen (Ehebruch, Diebstahl, Mord) oder Verbote handlungsanfälliger Gefühle (Neid, Untreue, auch gegenüber Gott), so tabuisieren Politiker und Medien heute alleine unbotmäßige Gedanken, das Suchen nach wissenschaftlicher Wahrheit (Genderideologie, Klimahysterie) oder geschichtlichen Zusammenhängen (Feminismus, Schuldkult). Die Moderne, die sich vordergründig die Vergötterung der Ratio auf die Fahnen schrieb, ist damit „hinten rum“ bei der Verteufelung selbstständigen Denkens angekommen.
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Und es gibt noch einen Gegensatz zwischen den alten und neuen Dogmen: Die Zehn Gebote haben ihren Praxis-Test als Leitfaden für einige Jahrhunderte bestanden. Heutige westliche Gesellschaften unter dem Diktat der Political Correctness müssen ihre Überlebensfähigkeit erst noch beweisen. Ein Blick auf die demographischen Daten zeigt, dass die durchgehende Politisierung und Sexualisierung des Zusammenlebens und das Ersetzen der Familie durch den anonymen Sozialstaat möglicherweise ein Ein-Generationen-Experiment ist, das mangels Nachwuchs in massenhaft mental vereinsamten wie materiell verarmten Altengesellschaften sein Ende findet könnte.
Dennoch scheint die Herrschaft der ökosozifemiantifapolitischen Korrektheit heute unumschränkt. Beinahe jedenfalls. Denn wieder einmal existiert ein kleines Dorf in Gallien. Asterix heißt heute Benedikt! Die Katholische Kirche als Sinn- und Gebotsstifter der Vergangenheit ist der naturgemäß größte Feind der heutigen Ersatzreligion Political Correctness. Es geht um nicht weniger als einen Kulturkampf zwischen altem und neuen gesellschaftlichen Überbau, zwischen Religion und Pseudoreligion, ja auch zwischen alten, konservativen, rechten und oft marktwirtschaftlichen Vorgaben hier und neuen, progressiven, linken und staatsvergottenden Diktaten dort. Deshalb – und nicht wegen einiger wirrer Aussagen eines Mitbruders, die mit den Interessen und Aufgaben der Kirche so wenig zu tun haben wie der Lieblingsfußballverein des Pfarrers von Gelsenkirchen – wird nun auch der Papst von den üblichen Verdächtigen so bösartig angegangen wie in der deutschen Presse seit 1945 nicht mehr.
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Es bleibt also interessant. Denn der Papst und die ihm folgenden Teile der katholischen Kirche stehen keineswegs alleine. In vielen Fragen wird er unterstützt von der (hier gesamten) russisch-orthodoxen Kirche im Osten wie von amerikanischen Evangelikalen im Westen. Dabei – und nun wird es richtig spannend – ist der Muselman als möglicher Partner noch gar nicht genannt.
Eigentümlich frei vom 3. Februar:
Die Medienkampagne explodiert. Zuerst schreibt Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, höchstselbst in seiner „Bild“: „Es ist moralisch das Allerletzte, das Allerverachtenswerteste, wenn einer das rassistische Morden relativiert. Der Papst hat einen schweren Fehler gemacht.“ [Wird hier nicht insinuiert, der Papst hätte den Holocaust geleugnet? - Catocon]
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Spiegel-Online, die quasi amtliche deutsche Nachrichtenseite im Internet, kennt seit Tagen nur noch ein Thema. Hier eine unvollständige Auswahl von sechs „Spiegel“-Artikeln alleine vom heutigen Tage, die Überschriften alleine sprechen für sich: „Holocaust-Debatte: Merkel fordert Papst zur Klarstellung auf“, „Kritik vom Zentralrat: Verhältnis der Juden zum Vatikan vergiftet“, „Katholische Hardliner: Wie die Piusbrüder gegen Juden, Muslime und Schwule hetzen“, „Päpstliches PR-Desaster: Warum der Vatikan die Krise nicht beherrscht“, „Streit über Holocaust-Leugner: Kardinal Lehmann nennt Papst-Entscheidung Katastrophe“, „Hells Bells: Papst erschüttert Katholiken“.
In jeder der vergangenen Medienkampagne (Möllemann, Hohmann, Herman etc.) spielten die gedruckte „Bild“, Spiegel-Online (und Druck) sowie die Staatsfunker von ARD und ZDF die Rolle der drei Einheizer (ef berichtete). Politiker und Promis flankierten jede der Kampagnen.
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Sprache und Prominenz der Wortmelder sind verräterisch. Inzwischen ahnt auch der Letzte, dass hier ein Religionskrieg ohne Erbarmen geführt wird. Medien und Politik als Hohepriester der säkularen Religion der Politischen Korrektheit verlangen nicht weniger als die Unterwerfung ihres letzten Widersachers. Der Papst „muss“, so fordern sie es offen wie von einem angeklagten Verbrecher, ihrer Anweisung Folge leisten und das in Deutschland strafbewährte „Leugnen des Holocausts“ (gemeint ist konkret ein Infragestellen der sakrosankten Millionenziffer) vom Zivilrecht ins Kirchenrecht übertragen. Eine im Grunde absurde Forderung. Aber in Zeiten, in denen selbst der Deutsche Fußballbund politisch korrekte Elemente in seine Verbandsjustiz einwebt ist auch diese Absurdität nur konsequent. Die neue säkulare Religion strebt wie einst ihre Vorläufer NSDAP oder SED heute nicht mehr allzu verdeckt eine totalitäre Herrschaft über „alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens an“. Ausnahmen selbst im Kirchenrecht können nicht mehr geduldet werden.
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Jede der jüngsten Medienkampagnen vergrößerte den Graben zwischen der veröffentlichten Meinung und dem Volk. Mit jeder neuen Kampagne verlieren Politik und Medien abermals an letzten Vertrauensresten. Die „Welt“ ließ eine Online-Umfrage zu: „Papst Benedikt XVI. hat mit seinen jüngsten Entscheidungen viel Kritik hervorgerufen. Wie beurteilen Sie seine Arbeit?“, fragt die „Welt“. Die überwältigende Mehrheit von 64 Prozent der bis heute etwa 25.000 Teilnehmer der Abstimmung antwortet: „Sehr gut, er zieht seine Linie durch und macht alles richtig.“ Kommentatoren in Online-Foren werden wie in den vorangegangenen Medien-Kampagnen in Massen zensiert und gelöscht oder in dieser Frage gar nicht erst zugelassen. Die ob der Medien-Hatz empörten Leserbriefe, so sickert aus den Redaktionen durch, gehen erneut in jedem Zeitungshaus in die Tausende.
Und doch herrscht ein geradezu gespenstisches sowjetisches Medien-Einheitsbild. Wie in den besten Zeiten der DDR werden immer neue „klassenbewusste“ Zeugen der Anklage vorgeführt. Darunter auch papst-kritische deutsche katholische Bischöfe. Kann es irgendwen verwundern, dass die vom deutschen Sonderrecht der Kirchensteuer wohlgenährten Vertreter der Amtskirche Vater Staat und dessen Glaubensdoktrinen im Zweifel eher Gefolgschaft leisten als dem heiligen Vater in Rom?
Was hat der Papst eigentlich getan? Er hat vier Exkommunikationen – für gläubige Katholiken so etwas wie eine seelische Todesstrafe – auf persönliche Bitten zurückgenomme. Der Oberhirte aus Rom interessiert sich dabei schlicht nicht für die Riten, Glaubenssätze und Tabus der konkurrierenden Ersatzreligion. Wer glaubt, dass es quasireligiöse Vorgaben nicht mehr gibt, der überprüfe sich einmal selbst beim Versuch, einen Satz zum Holocaust zu sagen. Oder er lese die eingangs zitierten Worte des einflussreichsten deutschen Verlegers.
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Uns wird nun fortlaufend erzählt, dass auch viele Katholiken über den Papst entsetzt seien. Das ist richtig. Es sind aber vornehmlich die Seichten, die der Ersatzreligion der politischen Korrektheit bereits mehr ergeben sind als ihrer katholischen Kirche. Wahr ist aber auch: Für noch mehr Anders- und sogar Ungläubige ist der Papst dieser Tage der letzte Hoffnungsträger der Abwehr einer ins Totalitäre gehenden Politischen Korrektheit, die keinerlei Anstand und Erbarmen mehr kennt. Es sind – vielleicht nicht zur Freude der Piusbrüder – eben auch viele evangelische und orthodoxe (diese ohnehin) Christen sowie nicht zuletzt auch Moslems und Atheisten, die heute nach Rom blicken und sagen: „Sehr gut, er zieht seine Linie durch und macht alles richtig!“
Eine Anmerkung noch zu dem letzten Punkt: Es kommt wirklich nicht mehr darauf an, welcher Religion man angehört, sondern zunehmend nur noch darauf, ob man davon überzeugt ist, daß die Nützlichkeitsideologie transzendierende Werte, Traditionen, individuelle Freiheit (statt kollektive Optimierungsideologie) wichtig und notwendig sind, oder ob man lieber diese FReiheit aufgibt für die Schöne Neue Welt der klinisch reinen „wissenschaftlichen“ Ideologien. Ob christlich oder atheistisch, islamisch oder jüdisch; ob links, grün, liberal oder konservativ; all dies wird keine Rolle mehr spielen. Daher schrieb ich am Ende meines Artikels „Der weise Benedikt: Zur Funktion der Tradition„:
Tradition und Fortschritt – das werde ich nicht müde zu betonen – sind beide notwendig und müssen Hand in Hand gehen. Die Einbindung des Traditionalismus in alle Bereiche der Gesellschaft ist daher eine notwendige Bedingung für den Erhalt unserer Zivilisation. Dies gilt, und damit schließe ich, nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Politik, wenngleich diese natürlich eine höhere Kompromißbereitschaft zum Zeitgeist hin braucht, und erst recht für jeden Einzelnen. Tradition ohne Fortschritt läßt eine Gesellschaft versauern in ewig ausgetretenen Pfaden und führt zur totalen Stagnation; Fortschritt ohne Tradition erzeugt entwurzelte, atomisierte Individuen, die dem ersten Rattenfänger nachlaufen, der sich ihnen anbietet, da sie keine Orientierung und kein Verständnis von Richtig und Falsch besitzen. Derzeit rudern die Konservativen gegen den Strom, und sie verlieren an Boden. Im Papst haben sie einen wichtigen Freund, und da konservative und progressive Haltungen beide erforderlich sind für eine wahrhaft gute Gesellschaft, hat jeder, der am Fortbestand und der positiven Entwicklung unserer Gesellschaft interessiert ist, einen guten Freund im Papst. Und solche gute Freunde braucht die Welt derzeit – ob atheistisch, agnostisch, jüdisch, christlich, islamisch oder was auch immer – wahrhaft dringend. Gut, daß wir ihn haben. Schlecht, daß viele ihn diskreditieren wollen.
Zu der Frage der radikalen Toleranzideologie, auch unter dem Namen „Political Correctness“ bekannt empfehle ich diesen Artikel, den ich vor einiger Zeit geschrieben habe: „Toleranz als Adjutant der Freiheit„
Ferner: Jim Kalbs „The Tyranny of Tolerance“ (aus dem letzten Oktober zu diesem seit Jahren an Bedeutung zunehmenden Phänomen)
Die katholische Kirche steht derzeit durch ihren Papst noch eindeutig hinter der Tradition und hinter ihren eigenen Grundwerten (das unterscheidet sie, wie Merkels Äußerungen zum Thema Piusbruderschaft beweisen, von der CDU). Solange dies der Fall ist, hat die Kirche es verdient, daß Menschen aller Glaubensrichtungen (oder gar keiner) ihr für ihre Standhaftigkeit in dieser wesentlichen Frage der Zukunft unserer Zivilisation danken, und sie verteidigen, wenn sie angegriffen wird.
Also bleibe ich dabei: Weiter so, Benedikt!