„Asterix heißt heute Benedikt!“

Gibt es eine Medienkampagne gegen den Papst? Eigentlich für jeden Menschen mit Augen und Ohren keine Frage mehr nach den Vorkommnissen der letzten Tage. Und dennoch gäbe dies natürlich niemand zu, und ich selbst habe heute auf meinem Blog einen Kommentar erhalten, der genau dies bestritt.

Ich habe danach einmal einige andere Blogs durchsucht, und bin auf dem Blog „Mittelwächter“ auf einen Link zu einem Artikel von „eigentümlich frei“ gestoßen, eine Publikation, deren Ausrichtung als libertär zu charakterisieren ist. Die insgesamt drei dort verfügbaren Artikel zum Thema Piusbruderschaft / Hetzjagd auf den Papst gehören in der Tat zum Besten, was zu diesem Thema geschrieben worden ist. Ich werde mich darauf beschränken, einige wenige Stellen zu zitieren, doch sind die drei Artikel für Libertäre, Konservative, Mischlinge dieser beiden Arten (wie Catocon) und überhaupt jeden freiheitsliebenden, vernünftigen MEnschen absolute Pflichtlektüre.

Und dies gilt nicht nur hinsichtlich der aktuellen Kontroverse um Benedikt, sondern allgemein als Gesellschaftsdiagnose. Die allmähliche Erosion von Freiheitsrechten im Namen der Political Correctness, die Notwendigkeit von Tradition für das gesellschaftliche Zusammenleben, die lange Geschichte häßlicher Medienkampagnen gegen Anderdenkende und vieles, vieles mehr findet Platz in diesen drei Artikeln.

Eigentümlich frei vom 27. Januar:

Und während die dem Zeitgeist hinterherlaufenden Amtskirchen mit Hobby-Theaterstück-Aufführungen vor leeren Kirchenrängen peinlich auffällig werden, dürfte das ohnehin steigende Interesse am katholischen Traditionalismus wie auf der anderen Seite an evangelikalen Freikirchen weiter zunehmen. Gedankt sei der Empörungsberichterstattung jener, die zwei- bis dreimal im Jahr Adolf Hitler in Nahaufnahme mit gut sichtbarem Hakenkreuz am Revers auf ihr „Spiegel“-Cover platzieren, damit die Auflage steige.

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Die 68er-(Ex-)Zeitgeistkirchen aber mit all ihrem antikapitalistischen Öko- und Drittweltklimbim – beispielhaft sei die großspurige Coca-Cola-Boykottkampagne des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) genannt – sind längst nur noch zum Davonlaufen. Und die Mainstreammedien? Würden sie ihre Wächterfunktion gegenüber der Politik oder auch nur ihren eigenen antifaschistischen Anspruch wirklich ernst nehmen, müssten sie sich gerade jetzt einsetzen für die Meinungsfreiheit des Bischofs und gegen die jedem intelligenten Menschen unwürdige und in unseligster Tradition stehende Strafverfolgung falscher Meinungen in Deutschland.

Eigentümlich frei vom 31. Januar:

Die zunehmende Empörungswelle war vorauszusehen. Sie nimmt für den Papst nun bedrohliche Ausmaße an. Der Zentralrat der Juden in Deutschland brach den Kontakt mit der Kirche ab, Israel droht mit dem Ende der diplomatischen Beziehungen, und auf dem Cover des BRD-Zentralorgans „Der Spiegel“ am kommenden Montag wird einmal nicht Adolf Hitler zu finden sein, sondern ein Bild Benedikts mit der Schlagzeile: „Der Entrückte: Ein deutscher Papst blamiert die katholische Kirche“.

Auch andere Massenmedien, allen voran die, denen die katholische Kirche von jeher ein Dorn in ihrem fortschrittlichen Auge ist, sind sich seit Tagen einig: Der Papst hat einen schweren Fehler gemacht. Er müsse ihn zurücknehmen und sich entschuldigen. Das obligatorische Unterwerfungsritual – von Kerner in seinem Tribunal gegen Eva Herman einst vor Millionenpublikum bis über jede Peinlichkeitsgrenze und abermalige Wiederholungsschleife hinweg verlangt – wird jetzt vom Oberhaupt der katholischen Kirche eingefordert. Der Papst „muss“ sich beugen und öffentlich Abbitte leisten, hören wir auf allen Kanälen. Ohnehin und endgültig, so wird schlau vom „Tagesspiegel“ eingestreut, habe sich nun das Unfehlbarkeitsdogma als „Irrtum“ erwiesen. Womit wir beim Thema sind.

Es geht offenbar um Religion. Und um Tabus. Seit Menschengedenken hat es keine Gesellschaft ohne Tabuzonen gegeben. Ausgesprochene Ge- und Verbote sowie unausgesprochene Tabus sind die Abzäunungen, die offenbar nötig sind, um ein einigermaßen reibungsloses und vorausschaubares Leben für den Einzelnen zu ermöglichen.  Die biblischen Zehn Gebote sind ein Beispiel für diese Grenzziehung. Jahrhundertelang galten sie, heute wirken sie auf viele eher lachhaft als sinnstiftend: „Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.“ Totalitäres Christentum! „Du sollst Vater und Mutter ehren!“ Autoritär und altertümlich! „Du sollst nicht ehebrechen.“ Ein guter Witz beim nächsten Besuch des Christopher Street Day! „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.“ Der Neid ist das Fundament, auf dem der moderne Sozialstaat gebaut wurde.

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Die klassisch liberalen Ökonomen und Sozialphilosophen Friedrich August von Hayek etwa oder Ludwig von Mises wiesen immer wieder darauf hin, dass Menschen ohne gewachsene Traditionen „sozial blind“ seien, ja gar nicht lebensfähig.

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Das sehen auch die neuen Hohepriester der „Political Correctness“ so. Sie schufen deshalb neue Ge-und Verbote, deren Infragestellung keinem Menschen wirklich zu empfehlen ist. Heilig ist nun vor allem anderen die „Demokratie“.

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Dabei waren so ziemlich alle griechischen Philosophen und selbst alle Gründerväter der USA sich noch einig darin, dass demokratische Staaten dem Untergang geweiht sind.

Mit der Demokratie glauben wir heute an die Gleichheit des Menschen. Weshalb zum Beispiel die IQ-Forschung tabuisiert wird. Rassen, ja selbst Geschlechter, so wird uns nun gesagt, gibt es nicht (mehr). Männlichkeit und Weiblichkeit werden bereits im Kindergarten verfolgt und ausgetrieben wie einst allenfalls der Teufel.

Als wäre dies nicht genug, hat ein höchst diesseitiger Schuldkult die christliche Ursünde abgelöst. In den USA ist es die Schuld des weißen Mannes, die heute eine messiasähnliche Rolle Barack Obamas – und in Deutschland Liveübertragungen seiner Amtseinführung auf allen Kanälen gleichzeitig – ermöglichen. Auch hierzulande wird diesseitig Schuld zelebriert – die „spezifisch deutsche Schuld“. Der deutsch-amerikanische Historiker Paul Gottfried erklärt den Wandel so: Die metaphysische individuelle Schuld sei vor allem im protestantischen Nordeuropa, in den USA und Kanada in eine gesellschaftliche Schuld umwandelt worden. Manche säkularen Intellektuellen und einige protestantische Theologen sähen in dieser Schuldannäherung die Erfüllung der in der Bibel nur angedeuteten sozialen Gerechtigkeit sowie der christlichen Pietät. Die frühere christliche Verpflichtung zur Nächstenliebe werde, so Gottfried, heute in einen gesellschaftlichen Zwang umgewandelt. Der Umfang des zu bekämpfenden menschlichen Verhaltens – Stichwort: Antidiskriminierungsgesetze – werde dabei ständig erweitert.

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In der gewaltigen Medienkampagne, die nun gegen den Papst geführt wird, ist ihre Hemmungs- und Erbarmungslosigkeit auffallend. Widerspruch, und sei es auch nur am Rande der Debatte, wird nicht mehr geduldet. In die Fernseh-Talkshows zum Thema wurde schlicht kein einziger Gast eingeladen, der auch nur ansatzweise der Anklage widersprochen hätte.

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Nun gibt es aber zwischen den Ge- und Verboten der modernen Politischen Korrektheit und den biblischen Zehn Geboten einen grundlegenden Unterschied. Handelte es sich früher vor allem um tabuisierte Handlungen (Ehebruch, Diebstahl, Mord) oder Verbote handlungsanfälliger Gefühle (Neid, Untreue, auch gegenüber Gott), so tabuisieren Politiker und Medien heute alleine unbotmäßige Gedanken, das Suchen nach wissenschaftlicher Wahrheit (Genderideologie, Klimahysterie) oder geschichtlichen Zusammenhängen (Feminismus, Schuldkult). Die Moderne, die sich vordergründig die Vergötterung der Ratio auf die Fahnen schrieb, ist damit „hinten rum“ bei der Verteufelung selbstständigen Denkens angekommen.

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Und es gibt noch einen Gegensatz zwischen den alten und neuen Dogmen: Die Zehn Gebote haben ihren Praxis-Test als Leitfaden für einige Jahrhunderte bestanden. Heutige westliche Gesellschaften unter dem Diktat der Political Correctness müssen ihre Überlebensfähigkeit erst noch beweisen. Ein Blick auf die demographischen Daten zeigt, dass die durchgehende Politisierung und Sexualisierung des Zusammenlebens und das Ersetzen der Familie durch den anonymen Sozialstaat möglicherweise ein Ein-Generationen-Experiment ist, das mangels Nachwuchs in massenhaft mental vereinsamten wie materiell verarmten Altengesellschaften sein Ende findet könnte.

Dennoch scheint die Herrschaft der ökosozifemiantifapolitischen Korrektheit heute unumschränkt. Beinahe jedenfalls. Denn wieder einmal existiert ein kleines Dorf in Gallien. Asterix heißt heute Benedikt! Die Katholische Kirche als Sinn- und Gebotsstifter der Vergangenheit ist der naturgemäß größte Feind der heutigen Ersatzreligion Political Correctness. Es geht um nicht weniger als einen Kulturkampf zwischen altem und neuen gesellschaftlichen Überbau, zwischen Religion und Pseudoreligion, ja auch zwischen alten, konservativen, rechten und oft marktwirtschaftlichen Vorgaben hier und neuen, progressiven, linken und staatsvergottenden Diktaten dort. Deshalb – und nicht wegen einiger wirrer Aussagen eines Mitbruders, die mit den Interessen und Aufgaben der Kirche so wenig zu tun haben wie der Lieblingsfußballverein des Pfarrers von Gelsenkirchen – wird nun auch der Papst von den üblichen Verdächtigen so bösartig angegangen wie in der deutschen Presse seit 1945 nicht mehr.

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Es bleibt also interessant. Denn der Papst und die ihm folgenden Teile der katholischen Kirche stehen keineswegs alleine. In vielen Fragen wird er unterstützt von der (hier gesamten) russisch-orthodoxen Kirche im Osten wie von amerikanischen Evangelikalen im Westen. Dabei – und nun wird es richtig spannend – ist der Muselman als möglicher Partner noch gar nicht genannt.

Eigentümlich frei vom 3. Februar:

Die Medienkampagne explodiert. Zuerst schreibt Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, höchstselbst in seiner „Bild“: „Es ist moralisch das Allerletzte, das Allerverachtenswerteste, wenn einer das rassistische Morden relativiert. Der Papst hat einen schweren Fehler gemacht.“ [Wird hier nicht insinuiert, der Papst hätte den Holocaust geleugnet? - Catocon]

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Spiegel-Online, die quasi amtliche deutsche Nachrichtenseite im Internet, kennt seit Tagen nur noch ein Thema. Hier eine unvollständige Auswahl von sechs „Spiegel“-Artikeln alleine vom heutigen Tage, die Überschriften alleine sprechen für sich: „Holocaust-Debatte: Merkel fordert Papst zur Klarstellung auf“, „Kritik vom Zentralrat: Verhältnis der Juden zum Vatikan vergiftet“, „Katholische Hardliner: Wie die Piusbrüder gegen Juden, Muslime und Schwule hetzen“, „Päpstliches PR-Desaster: Warum der Vatikan die Krise nicht beherrscht“, „Streit über Holocaust-Leugner: Kardinal Lehmann nennt Papst-Entscheidung Katastrophe“, „Hells Bells: Papst erschüttert Katholiken“.

In jeder der vergangenen Medienkampagne (Möllemann, Hohmann, Herman etc.) spielten die gedruckte „Bild“, Spiegel-Online (und Druck) sowie die Staatsfunker von ARD und ZDF die Rolle der drei Einheizer (ef berichtete). Politiker und Promis flankierten jede der Kampagnen.

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Sprache und Prominenz der Wortmelder sind verräterisch. Inzwischen ahnt auch der Letzte, dass hier ein Religionskrieg ohne Erbarmen geführt wird. Medien und Politik als Hohepriester der säkularen Religion der Politischen Korrektheit verlangen nicht weniger als die Unterwerfung ihres letzten Widersachers. Der Papst „muss“, so fordern sie es offen wie von einem angeklagten Verbrecher, ihrer Anweisung Folge leisten und das in Deutschland strafbewährte „Leugnen des Holocausts“ (gemeint ist konkret ein Infragestellen der sakrosankten Millionenziffer) vom Zivilrecht ins Kirchenrecht übertragen. Eine im Grunde absurde Forderung. Aber in Zeiten, in denen selbst der Deutsche Fußballbund politisch korrekte Elemente in seine Verbandsjustiz einwebt ist auch diese Absurdität nur konsequent. Die neue säkulare Religion strebt wie einst ihre Vorläufer NSDAP oder SED heute nicht mehr allzu verdeckt eine totalitäre Herrschaft über „alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens an“. Ausnahmen selbst im Kirchenrecht können nicht mehr geduldet werden.

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Jede der jüngsten Medienkampagnen vergrößerte den Graben zwischen der veröffentlichten Meinung und dem Volk. Mit jeder neuen Kampagne verlieren Politik und Medien abermals an letzten Vertrauensresten. Die „Welt“ ließ eine Online-Umfrage zu: „Papst Benedikt XVI. hat mit seinen jüngsten Entscheidungen viel Kritik hervorgerufen. Wie beurteilen Sie seine Arbeit?“, fragt die „Welt“. Die überwältigende Mehrheit von 64 Prozent der bis heute etwa 25.000 Teilnehmer der Abstimmung antwortet: „Sehr gut, er zieht seine Linie durch und macht alles richtig.“ Kommentatoren in Online-Foren werden wie in den vorangegangenen Medien-Kampagnen in Massen zensiert und gelöscht oder in dieser Frage gar nicht erst zugelassen. Die ob der Medien-Hatz empörten Leserbriefe, so sickert aus den Redaktionen durch, gehen erneut in jedem Zeitungshaus in die Tausende.

Und doch herrscht ein geradezu gespenstisches sowjetisches Medien-Einheitsbild. Wie in den besten Zeiten der DDR werden immer neue „klassenbewusste“ Zeugen der Anklage vorgeführt. Darunter auch papst-kritische deutsche katholische Bischöfe. Kann es irgendwen verwundern, dass die vom deutschen Sonderrecht der Kirchensteuer wohlgenährten Vertreter der Amtskirche Vater Staat und dessen Glaubensdoktrinen im Zweifel eher Gefolgschaft leisten als dem heiligen Vater in Rom?

Was hat der Papst eigentlich getan? Er hat vier Exkommunikationen – für gläubige Katholiken so etwas wie eine seelische Todesstrafe – auf persönliche Bitten zurückgenomme. Der Oberhirte aus Rom interessiert sich dabei schlicht nicht für die Riten, Glaubenssätze und Tabus der konkurrierenden Ersatzreligion. Wer glaubt, dass es quasireligiöse Vorgaben nicht mehr gibt, der überprüfe sich einmal selbst beim Versuch, einen Satz zum Holocaust zu sagen. Oder er lese die eingangs zitierten Worte des einflussreichsten deutschen Verlegers.

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Uns wird nun fortlaufend erzählt, dass auch viele Katholiken über den Papst entsetzt seien. Das ist richtig. Es sind aber vornehmlich die Seichten, die der Ersatzreligion der politischen Korrektheit bereits mehr ergeben sind als ihrer katholischen Kirche. Wahr ist aber auch: Für noch mehr Anders- und sogar Ungläubige ist der Papst dieser Tage der letzte Hoffnungsträger der Abwehr einer ins Totalitäre gehenden Politischen Korrektheit, die keinerlei Anstand und Erbarmen mehr kennt. Es sind – vielleicht nicht zur Freude der Piusbrüder – eben auch viele evangelische und orthodoxe (diese ohnehin) Christen sowie nicht zuletzt auch Moslems und Atheisten, die heute nach Rom blicken und sagen: „Sehr gut, er zieht seine Linie durch und macht alles richtig!“

Eine Anmerkung noch zu dem letzten Punkt: Es kommt wirklich nicht mehr darauf an, welcher Religion man angehört, sondern zunehmend nur noch darauf, ob man davon überzeugt ist, daß die Nützlichkeitsideologie transzendierende Werte, Traditionen, individuelle Freiheit (statt kollektive Optimierungsideologie) wichtig und notwendig sind, oder ob man lieber diese FReiheit aufgibt für die Schöne Neue Welt der klinisch reinen „wissenschaftlichen“ Ideologien. Ob christlich oder atheistisch, islamisch oder jüdisch; ob links, grün, liberal oder konservativ; all dies wird keine Rolle mehr spielen. Daher schrieb ich am Ende meines Artikels „Der weise Benedikt: Zur Funktion der Tradition„:

Tradition und Fortschritt – das werde ich nicht müde zu betonen – sind beide notwendig und müssen Hand in Hand gehen. Die Einbindung des Traditionalismus in alle Bereiche der Gesellschaft ist daher eine notwendige Bedingung für den Erhalt unserer Zivilisation. Dies gilt, und damit schließe ich, nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Politik, wenngleich diese natürlich eine höhere Kompromißbereitschaft zum Zeitgeist hin braucht, und erst recht für jeden Einzelnen. Tradition ohne Fortschritt läßt eine Gesellschaft versauern in ewig ausgetretenen Pfaden und führt zur totalen Stagnation; Fortschritt ohne Tradition erzeugt entwurzelte, atomisierte Individuen, die dem ersten Rattenfänger nachlaufen, der sich ihnen anbietet, da sie keine Orientierung und kein Verständnis von Richtig und Falsch besitzen. Derzeit rudern die Konservativen gegen den Strom, und sie verlieren an Boden. Im Papst haben sie einen wichtigen Freund, und da konservative und progressive Haltungen beide erforderlich sind für eine wahrhaft gute Gesellschaft, hat jeder, der am Fortbestand und der positiven Entwicklung unserer Gesellschaft interessiert ist, einen guten Freund im Papst. Und solche gute Freunde braucht die Welt derzeit – ob atheistisch, agnostisch, jüdisch, christlich, islamisch oder was auch immer – wahrhaft dringend. Gut, daß wir ihn haben. Schlecht, daß viele ihn diskreditieren wollen.

Zu der Frage der radikalen Toleranzideologie, auch unter dem Namen „Political Correctness“ bekannt empfehle ich diesen Artikel, den ich vor einiger Zeit geschrieben habe: „Toleranz als Adjutant der Freiheit

Ferner: Jim Kalbs „The Tyranny of Tolerance“ (aus dem letzten Oktober zu diesem seit Jahren an Bedeutung zunehmenden Phänomen)

Die katholische Kirche steht derzeit durch ihren Papst noch eindeutig hinter der Tradition und hinter ihren eigenen Grundwerten (das unterscheidet sie, wie Merkels Äußerungen zum Thema Piusbruderschaft beweisen, von der CDU). Solange dies der Fall ist, hat die Kirche es verdient, daß Menschen aller Glaubensrichtungen (oder gar keiner) ihr für ihre Standhaftigkeit in dieser wesentlichen Frage der Zukunft unserer Zivilisation danken, und sie verteidigen, wenn sie angegriffen wird.

Also bleibe ich dabei: Weiter so, Benedikt!

Benedikt und der Medienhype: Nachtrag

Daß es sich um eine Medienkampagne aus interessierten Kreisen gegen einen konservativen Papst handelt und nicht um ein ehrliches Berichten über einen Konflikt innerhalb der katholischen Kirche über die Piusbruderschaft könnten auch folgende kleine Fakten belegen:

Heute ist der4. Februar 2009. Vor sechs Tagen entschuldigte sich Bischof Williamson für seine Äußerungen und den Schaden, den er dem Papst und der Kirche zugefügt hat. Hier seine tatsächlichen Worte in einem Brief an den Kardinal Castrillón Hoyos:

Your Eminence

Amidst this tremendous media storm stirred up by imprudent remarks of mine on Swedish television, I beg of you to accept, only as is properly respectful, my sincere regrets for having caused to yourself and to the Holy Father so much unnecessary distress and problems.

For me, all that matters is the Truth Incarnate, and the interests of His one true Church, through which alone we can save our souls and give eternal glory, in our little way, to Almighty God. So I have only one comment, from the prophet Jonas, I, 12:

„Take me up and throw me into the sea; then the sea will quiet down for you; for I know it is because of me that this great tempest has come upon you.“

Please also accept, and convey to the Holy Father, my sincere personal thanks for the document signed last Wednesday and made public on Saturday. Most humbly I will offer a Mass for both of you.

Sincerely yours in Christ

+Richard Williamson

Ob man dies nun allein schon für ausreichend hält, um die Worte Williamsons zu entschuldigen oder nicht: Wären die Medien an einer neutralen Berichterstattung interessiert, dann hätten sie dies auch berichten müssen. Offensichtlich sind die Mainstream-Medien aber nicht an einer neutralen, sachlichen Berichterstattung sondern an einer Diffamierungskampagne gegen Benedikt XVI. interessiert, oder allgemein gegen konservative Katholiken, die es wagen, ihrer Überzeugung entsprechend zu sprechen und zu handeln.

Eine fünfminütige Recherche im Internet erbrachte für diesen Brief gleich drei Quellen hervor:

Rorate Caeli; WDTPRS; Scott P. Richards

Und für diese „journalistische Meisterleistung“ habe ich nicht einmal Google gebraucht, keine journalistische Ausbildung, und erst recht nicht die riesigen Ressourcenberge der professionellen Journalisten bei den Fernsehsendern und überregionalen Tageszeitungen, die sich seit Tagen mit dem Fall beschäftigen. Wohlgemerkt: der Brief ist sechs TAGE alt.

Ferner wurde das Interview mit Williamson „zufällig“ in dem Moment bekannt, in dem der Papst die Aufnahme der vier Bischöfe aus der Piusbruderschaft (darunter auch Williamson) bekanntgab. In diesem Zusammenhang sind auch gewisse Berichte interessant, die italienische Religionsjournalisten (die scheinbar ihre Arbeit wenigstens noch ernstnehmen) aus Kreisen des Vatikans berichten. Diesen zufolge sei das Interview, in dem Williamson seine umstrittenen Äußerungen geäußert hat, schon am 22. November 2008 geführt worden, und erst zwei Monate später veröffentlicht worden (freilich BEVOR der Papst seine Entscheidung bekanntgab, wenn auch sehr kurz davo). Diese Unstimmigkeiten und Fragwürdigkeiten und andere führten zu folgenden Berichten:

Paolo Rodari

IlGiornale.it

Und für die des Italienischen nicht oder nur sehr rudimentär mächtigen (wie mich), welche den Inhalt dieser beiden Berichte nur extrem grob verstehen noch eine englische Zusammenfassung und Auszüge des ganzen:

Rorate Caeli

Wie glaubwürdig diese Behauptungen sind, kann natürlich an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Merkwürdig ist aber wiederum, daß aus den Mainstream-Medien ABSOLUT NICHTS davon zu hören ist. Diese recyclen jeden Tag erneut dieselben zehn Sätze über die abscheuliche Meinung Williamsons zum Holocaust, die gekünstelte Aufregung verschiedener Katholiken, Politiker und anderer Amtsträger, die sich bei linksliberalen Kreise anbiedern möchten; und das obgleich sich Benedikt noch eine Woche vor der Entscheidung über die Aufnahme der vier Bischöfe öffentlich und DEUTLICH gegen die Leugnung oder Verharmlosung des Holocaust und FÜR einen tieferen Dialog mit anderen Religionen, darunter auch dem Judentum, ausgesprochen hatte!

Berichtet wird auch die verständliche Aufregung aus jüdischen Kreisen, welche explizit eine weitere Versicherung des Papstes fordern, daß er nicht hinter den Worten Williamsons stehe.

Wären die Mainstream-Medien neutral, so gingen sie solchen BErichten und Vorwürfen wenigstens ernsthaft nach, berichteten über sie, und hielten sich mit insinuierten Rücktrittsforderungen gegen den Papst eifrig zurück!

Vielleicht ist der Papst aus Deutschland ja inzwischen aus Schaden klug geworden und findet einige deutliche Worte – oder fällt eine für alle nachvollziehbare Entscheidung.

Und nur drei Zeilen darunter in einem nachträglichen Informationskasten:

Kann ein Papst zurücktreten?

Deutlicher geht es ja wohl nicht mehr. Welche „nachvollziehbare Entscheidung“ die „Journalisten“ wohl meinen? Vorher war an keiner Stelle von einem Rücktritt die Rede, niemand hat ihn dem Artikel zufolge gefordert usw. Aber dann plötzlich diese Frage und die bejahende Antwort. Ach, hielten sich die Medien doch wenigstens an gewisse Minimalstandards der Ehrlichkeit und unterließen plumpe Lügen, Einseitigkeiten und versteckte Rücktrittsforderungen wie diese! Es wenigstens offen zu fordern, sind diese Menschen wohl zu feige!

Mir bleibt nur, die nahezu endlose Reihe von einseitiger Berichterstattung zum Thema beiseite zu lassen, denn meine Zeit ist im Gegensatz zu den Schmierblättern und -sendern dieser Welt stark begrenzt.

Bleib stark, Benedikt! Weiter so!

Nachtrag II: (Von der Homepage der Piusbruderschaft) [7 Tage alt!!]

Stellungnahme des deutschen Distriktoberen zu den Aussagen von Bischof Williamson:

Als Distriktoberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Deutschland bin ich mit meinen Mitbrüdern erschüttert über die Aussagen von Bischof Williamson hier in diesem Land.

Die Verharmlosung der Judenmorde des NS-Regimes und dessen Greueltaten sind für uns inakzeptabel.

Die Verfolgung und Ermordung von zahllosen Juden im Dritten Reich berührt uns äußerst schmerzlich, verletzt sie doch zutiefst das christliche Gebot der Nächstenliebe, die keine ethnischen Unterschiede kennt.

Ich möchte mich für dieses Verhalten entschuldigen und mich von jedweder Aussage dieser Art distanzieren.

Für uns ist eine solche Distanzierung auch deshalb selbstverständlich, weil der Vater von Erzbischof Lefebvre selbst in einem KZ umgekommen ist und auch viele katholische Priester in Hitlers Straflagern ihr Leben ließen.

Stuttgart, den 27.01.2009

Pater Franz Schmidberger
Distriktoberer

Und ferner: [ebenfalls 7 Tage alt!!]

Kommuniqué des Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X.
Bischof Bernard Fellay zu Bischof Williamson.

Wir haben von einem Interview Kenntnis erlangt, das Bischof Richard Williamson, der ein Mitglied unserer Bruderschaft ist, dem schwedischen Fernsehen gab. In diesem Interview äußert er sich auch zu historischen Fragen, insbesondere zum Judenmord der Nationalsozialisten. Es ist offensichtlich, daß ein Bischof nur zu Fragen des Glaubens und der Moral mit religiöser Autorität sprechen kann. Unsere Bruderschaft beansprucht keinerlei Autorität über historische oder andere säkulare Fragen. Die Mission der Priesterbruderschaft ist die Verbreitung und Wiederherstellung der authentischen katholischen Lehre, wie sie in den Dogmen niedergelegt ist. Dafür sind wir weltweit bekannt, akzeptiert und geschätzt. Wir sehen mit großer Sorge, wie die Überschreitung dieses Auftrages durch unser Mitglied unserer religiösen Mission schweren Schaden zufügt. Wir bitten den Heiligen Vater und alle Menschen guten Willens um Entschuldigung für den dadurch hervorgerufenen Ärger. Dabei muss klar sein, dass diese Äußerungen in keiner Weise die Haltung unserer Gemeinschaft wiedergeben. Deshalb habe ich Bischof Williamson bis auf weiteres jedwede öffentliche Stellungnahme zu politischen oder historischen Fragen untersagt.

Die ständig vorgebrachten Anklagen gegen unsere Bruderschaft dienen offenkundig auch dem Zweck, unsere Mission zu diskreditieren. Das werden wir nicht zulassen, sondern fortfahren, die katholische Lehre zu verkünden und die Sakramente in ihrer altehrwürdigen Form zu spenden .

Menzingen, den 27. Januar 2009

Bischof + Bernard Fellay
Generaloberer

Doch die Medien möchten ja weder hören noch sehen. Der Skandal ist einfach zu schön für sie.

Der weise Benedikt: Zur Funktion der Tradition

1. Einleitung: Medienhype

Viel Aufhebens wird derzeit getrieben um die Piusbruderschaft in der katholischen Kirche. Papst Benedikt XVI. hatte vier Persönlichkeiten aus dieser Gruppe, die bislang suspendiert waren, in die Kirche zurückgeholt. Eine dieser Persönlichkeiten hatte ohne Wissen und Zustimmung des Papstes Äußerungen getan, die sich Medienberichten zufolge als Leugnung des Holocausts deuten lassen. Hierzu habe ich keine Meinung, da ich die Äußerungen in Original nicht gelesen oder gehört habe. Anders ist es aber bei dem Medienhype gegen Benedikt, der sich in der deutschen Presse abspielt. Ob Williamson die perverse und nach allen historischen Quellen falsche Auffassung vertritt, den Holocaust habe es nie gegeben, oder nicht, scheint gar nicht mehr das Thema zu sein. Denn daß der Papst oder die katholische Kirche diesen Äußerungen zustimmen, stand niemals zur Debatte. Die katholische Kirche bezweifelt nicht den Holocaust, sondern bemüht sich seit langer Zeit um gute Beziehungen zu Angehörigen der jüdischen Religion. Kritisiert wird in den Medien hauptsächlich die wahlweise „erzkonservative“, „ultrakonservative“ oder einfach nur „konservative“ Haltung der Piusbruderschaft zu einer ganzen Reihe von Themen, darunter an prominenter Stelle das II. Vatikanische Konzil. Dieses, und darin vor allem die seither in Landessprache zu haltende Messe, lehnt diese Gruppe ab.

2. Wie Blätter im Wind

Damit steht sie in Opposition zu der Gruppe der katholischen Kirche, die auch in Deutschland vorherrschend ist, und als Hauptziel die Anpassung der Kirche an den Zeitgeist sieht. Doch ist dies für eine Kirche, zu deren Glaubensgrundsätzen gehört, daß sie im Besitz ewiger Wahrheiten (aus der Bibel) ist, nicht ein merkwürdiges Ziel? Ganz sachlich betrachtet kann jemand, der sicher weiß, daß er im Recht ist, nicht einfach eine radikale Kehrtwende machen, ohne sich lächerlich zu machen. Wenn die Kirche daher im Widerspruch zum Zeitgeist steht, dann kann der gläubige Katholik nicht die Kirche verändern wollen, sondern nur den Zeitgeist. Diese elementare Einsicht fehlt den Bischöfen und Kardinälen, die heute in Deutschland in der katholischen Kirche zu sagen haben, aber offensichtlich völlig. Und die Medien akzeptieren die von ihnen regelmäßig als „altmodisch“ gebrandmarkte Kirchenvertreter (selbst in ihrer weichgespülten „modernisierten“ Version) nur dann, wenn diese regelmäßig vor dem Altar der Moderne Verbeugungen machen. Werden diese verweigert, berichten die Medien sehr negativ (man erinnere sich an Bischof Mixa, welcher es in gemäßigter Form gewagt hatte, die kinderfeindliche Familienpolitik der letzten Jahre sowie die egozentrischen Aktionen vieler heutiger Eltern zu kritisieren, und auf die offensichtliche Alternative hinzuweisen). Wenn jemand sogar wagt, den (Post-)Modernismus des Zeitgeistes offen beim Namen zu nennen und eine Rückkehr zu bewährten, zeitgeprüften Positionen zu fordern, dann bleibt es nicht mehr bei der negativen Berichterstattung, es kommt zu Hetzjagden. Dies ist derzeit bezüglich des Papstes und der Piusbruderschaft der Fall.

Das zweite Vatikanum war das Zeichen der katholischen Kirche, daß sie bereit vor, vor den Kräften des Modernismus zu kapitulieren (oder diesen zumindest entgegen zu kommen) . Schritt für Schritt hat die Kirche unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. zu einem moderateren Kurs zurückgefunden und wieder einen Dialog mit dem konservativen Flügel der eigenen Kirche begonnen. Zu einem solchen Dialog gehört auch, daß man die Abweichler als legitime Mitglieder der eigenen Organisation anerkennt und nicht weiter ausgrenzt. Daß dies denselben Kirchenfunktionären nicht gefällt, die bis heute noch nichts daran finden, daß sie über viele Jahre Komplizen bei dem Verbrechen der legalen Massenabtreibung in Deutschland waren (durch die Ausstellung von Darf-Scheinen nach pro-forma-Beratungen), ist offensichtlich und auch verständlich. Wer den Zweck einer Kirche darin sieht, sich so weit nach dem Wind zu neigen, bis das Rückgrat bricht, der sollte sein Glück in der CDU versuchen, denn derartige Leute kommen dort sehr schnell bis in die höchsten Parteiämter, aber er sollte doch bitte nicht versuchen, die Position der Kirche zu beeinflussen.

Eine Kirche ist keine politische Organisation. Politische Organisationen wie z.B. Parteien müssen aktiv am Beschluß von Gesetzen mitarbeiten, und dazu auch häufig Kompromisse eingehen (auch hier gibt es allerdings Grenzen, die in den fundamentalen Prinzipien liegen; wer keine hat, sollte auch nicht in einer Partei aktiv werden, sondern ein großes Unternehmen managen). Solche Kompromisse können etwa dazu führen, daß man ein Gesetz akzeptiert, das man für völlig verfehlt hält, um etwas durchzusetzen, das aus der eigenen Sicht notwendig ist; oder um Schlimmeres zu verhindern. Im Politischen gibt es immer Spielräume für Abweichungen von den eigenen Positionen, weil pragmatische Entscheidungen getroffen werden. Praktische Politik ist die Kunst, soviel wie möglich an als richtig empfundenen Positionen durchzusetzen. Davon unterschieden werden muß die Aufgabe der Kirche. Denn die Kirche ist nicht im Parlament und entscheidet auch nicht über Gesetze (zumindest heute nicht mehr). Und solange sie nicht über Gesetze entscheiden muß, ist sie verpflichtet, ihre Ansichten und Prinzipien, auch dem Zeitgeist entgegen, vorzutragen und friedlich für sie zu streiten.

Eine Kirche, welche sich nach dem Wind neigt, um mehr Gläubige in ihren Reihen zu begrüßen, oder ihre Doktrin ändert, weil diese unpopulär geworden ist, wird schnell an Mitgliedern verlieren. Nicht umsonst ist die Vereinigung, die früher als Evangelische Kirche bekannt war, inzwischen weder präsent noch steht sie für irgendetwas, außer die diffuse Wohlfühlreligion einer Frau Käßmann (ich sagte es bereits: sie steht für gar nichts). Funktional gesprochen gibt Religion Halt in der Welt. Beginnt Religion, sich im Wind zu beugen, wird sie bald überflüssig. Dies ist der evangelischen Kirche in Deutschland bereits so gegangen, und wenn der Papst irgendwann einmal der Auffassung der jetzt protestierenden Kirchenmänner folgen sollte, wird es der katholischen Kirche auch so gehen.

Würde man Umfragen machen in den Kreisen der deutschen Medien- Politik- und Wirtschaftselite, die evangelische Kirche wäre sicher weit beliebter. Die katholische Kirche ist extrem unpopulär wegen ihrer konsequenten Haltung zu Themen wie Verhütung, Abtreibung und Homosexualität - zumindest außerhalb ihrer bis heute signifikanten und stabilen Anhngerschaft. Jeder mag die evangelische Kirche irgendwie, aber niemand besucht sie, und niemand nimmt sie als Religionsgemeinschaft ernst.

Die Haltung Benedikts zur Piusbruderschaft ist eine der vorsichtigen Annäherung, Benedikt selbst hat Sypathien für den konservativen Flügel der katholischen Kirche (also nicht den linksliberalen Flügel, den die Medien für konservativ halten, der dies aber nur in der verzerrten Perspektive der Medien auch ist), gehört ihm aber nicht an. Eine katholische Kirche, die Einfluß auf die Köpfe und Herzen der Menschen nehmen will – und dies ist ein wesentlicher Auftrag der Kirche nach ihrem eigenen Verständnis – kann sich nicht abgrenzen, nein, soll sich nicht abgrenzen, gegenüber Strömungen, die traditionellen Katholizismus einfordern statt modernisierter Weichspülreligion. In einer Zeit der steten Erneuerung, in der die Dinge sich schneller ändern, als selbst die ultraflexiblen unter den Fortschrittlichen sich noch an sie anpassen können, braucht die Welt feste Pfeiler, an denen Menschen sich festhalten können, die ihnen die Gelegenheit bieten, nicht vom Strom des Zeitgeistes und des Trends mitgerissen zu werden, sondern innezuhalten und zu reflektieren, ob der von allen hysterisch begrüßte Wandel wirklich gut ist, oder ob nicht an einigen Stellen korrigiert werden muß. Solche Pfeiler sind Religionen und Philosophien.

3. Fortschritt als Naturgewalt?

Schnelle Fluten des Wandels haben für die in ihnen Gefangenen eine gewisse Naturgewalt, eine Notwendigkeit und eine Unausweichlichkeit. Darin ähneln sie den in der Natur auftretenden Fluten. Von ihnen mitgerissen ist man versucht, nur noch irgendwie mitzukommen, damit das Boot nicht vollends kentert, während es nach vorn gerissen wird. Doch trotzdem müssen Kurskorrekturen gemacht werden – und wenn vor dem Bug ein Wasserfall auftaucht, dann braucht das Schiff jemanden, der ihn rechtzeitig sieht, und eine Mannschaft, die mit aller Kraft gegen die Strömung anrudert. Den Überblick zu behalten in den chaotischen Zeiten des Wandels ist ohnehin nicht leicht. Aber angefeuert von einer Horde Medienvertreter, Wirtschaftsbosse und Politiker, geht es heute nur noch darum, ob man mit aller Kraft und gesenktem Blick nach vorn rudern soll, oder sich einfach von den Kräften des Marktes, der Globalisierung und der gesellschaftlichen Entropie mitreißen lassen soll. Zwischen diesen scheinbaren Gegensatzpolen bewegt sich der öffentliche Diskurs in Deutschland. Da ist es nur natürlich, daß dem Deutschen heute das Vokabular in aller Regel fehlt, um die Unterschiede zu beschreiben, die einen deutschen Bischof von Lefèbvre und der ihm nachfolgenden Piusbruderschaft trennt.

In der öffentlichen Wahrnehmung ist der Bischof immer konservativ, da er weniger enthusiastisch den Kurs des Ruderns in Strömungsrichtung bei gesenktem Kopf unterstützt, als nahezu alle Meinungsführer. Und dennoch sind diese Bischöfe sehr angepasst an den Zeitgeist, und versuchen mit einer bewusst gemäßigten, pragmatischen Position die Kräfte des Fortschritts in einen Diskurs darüber zu verwickeln, ob man nicht in einigen wenigen Punkten mal wieder den Blick heben sollte, und sich überlegen, ob der Kurs noch stimme. Der Papst selbst, mit seiner konservativen Grundausrichtung, ist skeptisch der Moderne und vielen ihrer (Fehl-)Entwicklungen gegenüber, ob er persönlich das zweite Vatikanum ablehnt, weiß ich nicht – er versteht jedenfalls diejenigen, die es am liebsten täten. Die Piusbruderschaft lehnt den Wandel in der Kirche und der Gesellschaft im Wesentlichen ab – nicht aufgrund von Ablehnung des Wandels überhaupt, es geht vielmehr um Tempo und Richtung. Diese traditionalistische Haltung ist völlig unverständlich für denjenigen, dessen Geschichtsbild ein unaufhaltsames Fortschreiten des Menschengeschlechts in immer aufgeklärtere, bessere Weltzustände umfasst – und erst recht für denjenigen, der überhaupt kein Geschichtsbild hat, da man „in die Zukunft blicken“ muß.

Daß eine Medienlandschaft, für die Geschichtsbetrachtung sich in einer ewigen Geißelung der gleichen Verbrecher, so wichtig sie für sich genommen auch ist, erschöpft, kann eine konservative oder traditionalistische Haltung notwendig nicht verstehen. Warum will jemand an einer Messe auf Latein festhalten, wenn doch die Kirchgänger kaum Latein verstehen? Warum nicht in Landessprache? Wer nicht die autoritative Stimme der Tradition hören kann, wird einer solchen Frage gegenüber sprachlos bleiben – es sei denn er sagt: „es gibt keinen Grund dafür“. Wer glaubt, daß jede Generation die Welt neu erfinden solle, oder überhaupt könne, der wird keinen Widerstand gegen den Fortschritt verstehen. Wer aber überzeugt davon ist, daß die Tradition nützliche Einsichten enthält, weil in der Vergangenheit viele Probleme in derselben oder analoger Form existierten, der kann auf ein enormes Potenzial an Weisheit zurückgreifen – einiges davon wird bei Anwendung sich als fehlerhaft erweisen und einiges wird fehlerhaft angewendet werden. Doch eine solche Quelle der Weisheit verschließt sich derjenige, der mit dem Satz „das ist jetzt Geschichte“ meint, es sei unbedeutend geworden.

4. Dialog mit der Tradition

Ob man nun das II. Vatikanische Konzil befürwortet oder ablehnt, darum geht es bei dem aktuellen Skandal nur peripher (denn Benedikt hatte keine Umkehr in dieser Frage beschlossen, sondern die Aufnahme einiger Bischöfe, die in Opposition zu den Beschlüssen dieses Konzils stehen). Noch weniger geht es um die skandalösen Äußerungen eines Williamson. Es geht darum, ob es zulässig ist, wenn eine Kirche einen respektvollen internen Dialog über den Kurs der Modernisierung im Inneren und in der die Kirche umgebenden Außenwelt führt, oder ob dies in Deutschland nicht akzeptabel ist. Kurz gesagt: Ist die katholische Kirche dialogfähig mit ihrer eigenen Tradition, oder lehnt sie diese generell ab? Sollte sich die Kirche letztlich entscheiden, mit ihrer eigenen Tradition vollends zu brechen, und die Zeit vor dem zweiten Vatikanum mit Denkverboten zu belegen (wie sie es durch die Exkommunikation Lefèbvres bereits einmal versucht hat), dann würde sie zu einer zweiten evangelischen Kirche: mutlos, leer und totgeweiht.

Denn in den oben erwähnten reißenden Fluten des Wandels braucht es jemanden, der den Überblick behält, woher das Boot kommt und wohin es will. Die Reise, auf der sich die Gesellschaft befindet, darf nicht bloß bestimmt sein durch die Strömung, in der man sich zwecks Genuß der Schiffsvorräte gerade treiben lässt – und zwar um so weniger, je rapider der Wandel, je schneller die Strömung ist. Und wie gesagt sind es gerade Religionen und (aufgrund ihrer schwächeren Verwurzlung im Transzendentalen und damit Zeitlosen) in geringerem Maße auch Philosophien, welche Orientierung bieten und Verständnis erlauben, und welche nicht mit dem Zeitgeiste, sondern sich widerborstig ihm entgegenstellend, die richtigen Fragen aufwerfen. Wohin treibt eine westliche Zivilisation, inder jede dritte Schwangerschaft (und mehr in Osteuropa) vorzeitig durch Tötung des Kindes unterbrochen wird? In der der Akt der Fortpflanzung, der Sexualakt, keinerlei Verbindung mehr besitzt zur Erzeugung des Lebens, in der also nicht bloß diese Verbindung durch moderne Mittel etwas gelockert wird, sondern in der sie zunehmend vollkommen verloren geht? In der die allermeisten Menschen sich durch materiellen Wohlstand definieren, und so tun als ob es mehr als dies nicht zu erreichen gäbe; als ob das höchste Ziel im Leben eines Menschen die Befriedigung seiner sinnlichen Triebhaftigkeit wäre? In der der Mensch zunehmend als vollständig durch seine Biochemie und Neurologie, durch DNA und elektrische Impulse, definiert angesehen wird – und mithin auf das Niveau von Tieren herabfällt (ein Wandel der fälschlich gern einer gestiegenen Achtung für Tiere zugeschrieben wird, was aber zumindest bei den zugrunde liegenden Philosophien dieser Bewegung in keiner Weise stimmt)? Was ist mit einer Gesellschaft, die sich zunehmend in die Hände einer globalisierten Politik-, Medien- und Wirtschaftselite begibt, und dies nicht als Freiheitsverlust empfindet, weil sie Angst vor der Freiheit hat, da diese Verantwortung verlangt – eine Verantwortung, die zunehmend zu einer Globalen stilisiert wird – mit der Folge der totalen Überforderung aller Menschen?

5. Funktion der Tradition

Diese reißenden Fluten des Wandels reißen fast jeden mit. Und niemand hat je darüber ernstlich nachgedacht, ob das, was man aufgibt, wirklich so unbedeutend oder schändlich ist, daß es keine Verteidigung und keinen Einsatz mehr verdient. Die Orientierungslosigkeit ist in der modernen Zeit fast mit Händen zu greifen. Der Mensch soll seine Vernunft gebrauchen, aufgeklärt und emanzipiert sein. Doch zurückgeworfen auf seine persönliche Vernunft stellt er fest, daß die Welt zu komplex ist, als daß er sie durchdringen könnte. Er sucht also nach Hilfe bei dieser Aufgabe. Tausende von Selbsthilfegruppen, Sekten und Kulten tun sich auf, die Enttäuschung und Verzweiflung des Menschen mit sich und der Welt wächst. Demagogen ergreifen die Chancen, die sich bieten und preisen einfache Patentlösungen für ungeheuer komplexe Probleme an, einfache Lösungen, die nur erfordern, daß der Mensch seine Freiheit an jemanden abgibt, an einen Macher am besten, oder einen selbsternannten Führer. Aber ist die Welt wirklich so viel komplexer geworden als früher? Sie ist komplexer geworden, aber ihre generellen Strukturen können nach wie vor verstanden werden, die Welt ist nicht zufällig und Wandel ist kein Naturgesetz. Er kann gestaltet werden – nicht so, wie diejenigen wollen, die nicht müde werden zu behaupten, sie wollten „die Globalisierung gestalten“, also nicht durch globale Institutionen, die globale Entscheidungen treffen – aber der Wandel kann gestaltet werden durch jeden Einzelnen, der in der Welt handelt. Denn der Wandel ist kein Naturgesetz sondern das aggregierte Resultat der Einzelhandlungen von Millionen von Individuen. Jedes dieser Individuen besitzt Willensfreiheit, ist also Autor der eigenen Handlungen. Also hängen Tempo und Richtung des Wandels niemals von unpersönlichen Mächten (wie dem „globalen Finanzkapital“) ab, und kann niemals von anderen unpersönlichen Mächten (wie der UNO, der WTO, der Weltbank usw.) gesteuert oder „gestaltet“ werden. Tempo und Richtung des Wandels hängen einzig und allein von den freien Entscheidungen der Individuen ab. Die Individuen können also durch bewußtes Handeln auf individueller Ebene den Wandel gestalten. Doch wenn ihnen die Welt undurchsichtig erscheint, sie orientierungslos macht, dann sind sie blind und handeln nicht, oder nicht in ihrem eigenen Sinne. Ihr Handeln verliert jegliches Ziel und kann leicht manipuliert werden. Dies ist, was in der modernen Gesellschaft geschehen ist.

Der Mensch ist abgetrennt von den traditionellen Quellen seiner Weisheit unfähig, nur auf sich gestellt, die Welt zu verstehen. Er hat gelernt, durch jahrelange Indoktrination, daß die Tradition schlecht ist, und die Vergangenheit nur als abschreckendes Beispiel dienen kann. Im Jahre 2008 war viel zu hören über den 70. Jahrestag der sogenannten „Reichskristallnacht“, aber nahezu nichts über den 160. Jahrestag der friedlichen Paulskirchenrevolution, oder den 90. Jahrestag der Gründung der Weimarer Republik. Diese tendenziöse, hoch selektive Geschichtsauffassung trägt ihren Teil dazu bei, daß die Vergangenheit als grauenhafter, rückständiger Moloch begriffen wird, aus dem man so schnell wie möglich entkommen muß. Alles ist besser als das, wird suggeriert. Und der Mensch mit begrenzten Fähigkeiten, Interessen und Zeitressourcen, ist gezwungen das meiste davon zu glauben. Aber ohne Tradition und die daraus erwachsende Handlungsanweisung ist der Mensch überfordert mit der Welt. Er wendet sich an die schon erwähnten Scharlatane.

6. Entfremdung des Menschen von seinen Traditionen

Unabhängig davon, ob die christliche Religion wahr ist oder nicht (was letztlich Glaubenssache ist, und durch die empirische Wissenschaft in keine Richtung entschieden werden kann), bietet sie doch einen Haltepunkt in dieser Welt, welcher (obwohl er natürlich mißbraucht werden kann und mißbraucht worden ist, wie alles in der Welt) zu vielen positiven Handlungen geführt hat. Der Katholizismus stellt eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten dar, einer Tradition zu folgen, die für viel Positives verantwortlich zeichnet, und viel zu bieten hat – ob man die religiösen und theologischen Auffassungen teilt oder nicht. Der Versuch, gegen den traditionellen Katholizismus Front zu machen, der im Moment in den Medien unternommen wird (und traurigerweise auch von einigen katholischen Würdenträgern Unterstützung findet), ist nur ein winziger Teil dieser langanhaltenden und gründlichen Entfremdung der Menschen von ihren Traditionen, und damit von der Weisheit, die dem Menschen, eben weil sie einige Grundfragen für ihn vorentscheidet, in allen Belangen des alltäglichen und politischen Lebens die Freiheit gibt, informierte, rational begründete Entscheidungen zu treffen.

Daß diejenigen, deren Ziel die Einrichtung eines zentral gelenkten Weltstaates ist, und diejenigen, welche eine Herrschaft einiger gigantischer transnationaler Konzerne antreben, die Abtrennung des Menschen von seinen Traditionen befördern und für notwendig erklären, ist nur allzu verständlich. Eben weil der Mensch von den Traditionen, den alten Zwängen und Regeln, dem oft beklagten „Moralkorsett“, den Sitten und Gebräuchen seiner Vorfahren „befreit“ wird, schwebt er als zielloses Atom durch die Welt; und kann deswegen so leicht den Scharlatanen ins Netz gehen, die nur die eigenen Macht- und Profitinteressen im Auge haben.

7. Konklusion: Weiter so, Benedikt!

Die Piusbruderschaft lehnt diese Entwicklung kategorisch ab, und hält deswegen sogar an Traditionen fest, wie der Messe auf Latein, die auf den ersten Blick nicht mehr unbedingt notwendig erscheinen, eben weil es auch keinen zwingenden Grund gibt, solche Traditionen abzuschaffen. Der Papst teilt dieses Prinzip, wenn auch wahrscheinlich nicht die konkrete Anwendung des Prinzips auf das II. Vatikanische Konzil. Auch für ihn ist die Tradition ein wichtiger und notwendiger Pfeiler, ohne den Freiheit immer in Hilflosigkeit und Überforderung enden muß. Auch Benedikt weiß, daß Freiheit wegen der Begrenztheit der menschlichen Natur als natürliches Korrelat immer die Tradition braucht, wenn sie nicht mißbraucht werden soll. Aufgrund dieser Ähnlichkeiten ist der Dialog zwischen dem Heiligen Stuhl (oder besser demjenigen, der darauf sitzt…) und der „ultrakonservativen“ Piusbruderschaft so wichtig.

Leider liefern einige Wirrköpfe wie Williamson der Medienkampagne gegen diesen Dialog immer neue Munition – auch dies ein Hinweis, wie beschränkt die menschliche Natur ist! – und lassen die Illusion entstehen, es handle sich nur um ein Aufbegehren gegen „Antisemitismus“. Dies ist bedauerlich und schädlich für das Ziel des Dialogs mit einer wichtigen Gruppe von „Dissidenten“ innerhalb der katholischen Kirche. Es wird sich aber nicht ändern lassen. Wenn jemand eine Kampagne haben will, dann wird er sie bekommen. Der Papst muß deutlich machen – und tut dies auch – daß er den Antisemitismus Williamsons nicht teilt. Aber er muß auch deutlich und klar daran festhalten, daß nur der Dialog mit den Traditionalisten die katholische Kirche bewahren kann als Institution der Reflexion über die Richtung des „Fortschritts“ in der modernen Zeit. Wie gesagt, solche Pfeiler braucht die Welt, und selbst nichtreligiöse Menschen werden am Ende von der Standhaftigkeit des Katholizismus profitieren, und zwar selbst dann, wenn Jesus nicht wieder auferstanden ist und Maria nicht Jungfrau war.

Tradition und Fortschritt – das werde ich nicht müde zu betonen – sind beide notwendig und müssen Hand in Hand gehen. Die Einbindung des Traditionalismus in alle Bereiche der Gesellschaft ist daher eine notwendige Bedingung für den Erhalt unserer Zivilisation. Dies gilt, und damit schließe ich, nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Politik, wenngleich diese natürlich eine höhere Kompromißbereitschaft zum Zeitgeist hin braucht, und erst recht für jeden Einzelnen. Tradition ohne Fortschritt läßt eine Gesellschaft versauern in ewig ausgetretenen Pfaden und führt zur totalen Stagnation; Fortschritt ohne Tradition erzeugt entwurzelte, atomisierte Individuen, die dem ersten Rattenfänger nachlaufen, der sich ihnen anbietet, da sie keine Orientierung und kein Verständnis von Richtig und Falsch besitzen. Derzeit rudern die Konservativen gegen den Strom, und sie verlieren an Boden. Im Papst haben sie einen wichtigen Freund, und da konservative und progressive Haltungen beide erforderlich sind für eine wahrhaft gute Gesellschaft, hat jeder, der am Fortbestand und der positiven Entwicklung unserer Gesellschaft interessiert ist, einen guten Freund im Papst. Und solche gute Freunde braucht die Welt derzeit – ob atheistisch, agnostisch, jüdisch, christlich, islamisch oder was auch immer – wahrhaft dringend. Gut, daß wir ihn haben. Schlecht, daß viele ihn diskreditieren wollen.