Streiflichter der Tyrannis III

Dieser Artikel ist der erste Teil der Serie „Streiflichter der Tyrannis„. Eine Übersicht aller Artikel dieser Serie befindet sich hier.

Amokläufe als Waffe für den Abbau von Elternrechten: an den Fundamenten der Freiheitserosion

Wie bereits im ersten Teil erwähnt, werden Amokläufe und andere tragische Fälle immer wieder verwendet, um Elternrechte abzubauen. Dies ist einerseits ein Spezialfall des generellen, weiter oben behandelten Abbaus von Freiheit, welcher eine wesentliche Bedrohung für die langsam verfaulenden Reste der freien Bundesrepublik darstellt. Andererseits aber handelt es sich bei Elternrechten um einen der wesentlichen Schwerpunkte des Freiheitsabbaus unserer Zeit. Ich möchte an dieser Stelle die Frage aufwerfen, warum dies der Fall ist.

Eltern entscheiden über ihre Kinder, bis diese mündige und volljährige Bürger sind. Danach entscheiden diese in letzter Konsequenz über sich selbst. Dies bedeutet nicht, daß Eltern bis zum gesetzlichen Volljährigkeitstermin alles im Leben ihrer Kinder bestimmen müssen oder auch nur sollen. Dies bedeutet ebensowenig, daß Kinder nach diesem Volljährigkeitstermin nie wieder auf ihre Eltern hören sollen. Daher ist schon die Existenz eines solchen rechtlich festgelegten Datums irreführend. Manche Kinder sind schon mit 15 reif genug, alle wesentlichen Dinge für sich selbst entscheiden zu können, aber manche sind es mit 20 noch nicht. Dies sind individuelle Eigenschaften der Kinder und eventuell auch der Umgebung, in der das Kind aufwächst, sowohl seine unmittelbare Nachbarschaft und Freunde, als auch das kulturelle Klima der Gesellschaft. Natürlich ist es notwendig in einer Wahldemokratie ab einem bestimmten Zeitpunkt wählen zu dürfen, deswegen braucht es einen solchen Termin. Aber braucht es wirklich viel mehr?

Dies kommt darauf an, was man als Gesellschaft möchte. Ist die Absicht, einen bestimmten Typus von Menschen heranzubilden, welcher besonders gut geeignet ist für bestimmte Typen von Arbeiten und Tätigkeiten, die man für besonders wichtig hält, oder welcher bestimmte Auffassungen und Grundideen über die Welt und seine Rolle in ihr hat, dann braucht es viel mehr als dies. Alle Diktaturen der Welt kennzeichnen sich dadurch, daß sie die Erziehung der Kinder nicht den Eltern überlassen, sondern sie als Staatsaufgabe ansehen. Und die meisten freien Staaten verzichten auf eine starke Regulierung der Erziehung eben weil es ihnen nicht darauf ankommen kann, allzu viel festzulegen über die genaue Form dieser Erziehung. Denn es kommt in einer freien Republik ja gerade darauf an, eine Bürgerschaft zu haben, die vielfältige Ansichten und Grundideen hat, die dann in einem kreativen Prozeß der Diskussion zu individuellen, gesellschaftlichen oder gesetzlichen Normen des Zusammenlebens gerinnen, welche flexibel genug sind, eine Vielfalt von verschiedenen Lebensstilen in sich aufzunehmen, ohne dabei entweder tyrannisch zu werden oder in die Bedeutungslosigkeit abzudriften (das ist es, was ich gelegentlich eine „tolerante, aber relevante Wertegemeinschaft“ nenne). Wie entsteht nun eine solche Bürgerschaft?

Es gibt grundsätzlich zwei Wege: einen internen und einen externen Weg. Der interne Weg besteht darin, jedem Nachwuchs die ganze Breite der möglichen Werte und Lebensstile, Ideen und Ansichten bekanntzumachen ohne diese zu werten. (Natürlich ist es praktisch unmöglich etwas zu vermitteln, ohne es zu werten, denn die Art der Vermittlung beinhaltet immer mehr oder weniger subtil die Meinung der Vermittlers). Dieser Weg verlangt eine „staatsbürgerliche Erziehung“, da man sich nicht darauf verlassen kann, daß die Eltern schon dafür sorgen werden, daß das Kind die nötige Bandbreite mitbekommt. Es muß dafür gesorgt werden, daß die Kinder „Toleranz“ in der Schule lernen, und Kontakt mit möglichst vielen verschiedenen Kulturkreisen, Weltanschauungen usw. haben. Es geht hier nicht darum, zu bewerten, ob dies eine inhaltlich gute oder schlechte Ansicht ist, sondern darum, das notwendige Maß an staatlichem Einfluß auf die Erziehung der Kinder und damit auf die Elternrechte festzustellen. Es ist offensichtlich nötig, eine Einheitsschule für alle zu haben, und die vermittelten Inhalte möglichst zentral zu kontrollieren. Der interne Weg ist also der Weg des Schulzwangs und der modernen Toleranzideologie.

Der externe Weg geht in eine völlig andere Richtung: Da alle irgendwie relevanten Überzeugungen, Werte, Lebensstile und Ansichten in einer Gesellschaft vertreten sind (solche, die durch niemandem in der Gesellschaft vertreten sind, brauchen nicht betrachtet zu werden, da es mit nicht vorhandenen Ansichten nicht zu Konflikten kommt), reicht es aus, wenn die Eltern ihren Kindern die je eigenen Vorstellungen vermitteln, und dies alle Eltern tun. Wird dieser Weg beschritten, ist es nicht notwendig, massive staatliche Kontrollen zu haben, und staatliche Schulen sind eine Möglichkeit zum Erwerb von berufsnotwendigem oder für die persönliche Entwicklung relevantem Wissen, neben anderen Möglichkeiten. Staatliche Regulierung beschränkt sich auf ein Mindestmaß, und Eltern können ihre Kinder erziehen, wie sie wollen, ihnen ihre eigenen Werte und Ansichten vermitteln als feste Grundlage. Konfrontiert mit anderen Ansichten, Werten und Grundüberzeugungen hilft eine breite klassische Bildung bei der Überbrückung von Differenzen, so daß diese definitiv hilfreich ist. Wer die Geschichte studiert, wird feststellen, daß klassische Bildung (nicht das Massenprodukt, das heute unter dem Namen vom Monopolisten Staat verkauft wird) einer der wichtigsten Elemente der Völkerverständigung, der Freiheit und des Friedens zwischen grundverschiedenen Menschen ist.

Wir haben es hier zu tun mit zwei grundverschiedenen Gesellschaftsauffassungen: Wir alle wollen eine friedliche Gesellschaft, in der Menschen mit unterschiedlichen kulturellen, ethnischen, religiösen und gesellschaftlichen Hintergründen zusammenleben, einander kennen und verstehen, respektieren und – soweit möglich – schätzen. Die beiden genannten Wege sind zwei Möglichkeiten, nach diesem gemeinsamen Ziel zu streben. Im einen Fall normiert der Staat weitgehend die Kindererziehung (und hier findet eine entscheidende Prägung des sich herausbildenden Charakters durch dem Kind wesentlich fremde Menschen wie Lehrer, Betreuuer, Erzieherinnen und Psychologen statt). Im anderen Fall normiert niemand die Erziehung, sondern läßt den Eltern freie Hand bei den zu treffenden Entscheidungen. Hier wird das Kind entscheidend durch ihm gut bekannte Menschen wie Eltern und Verwandte, sowie prinzipiell bis zu einem gewissen Grad „filterbare“ andere Kinder geprägt. Entscheidend ist für den gegebenen Zusammenhang die Erkenntnis, daß der moderne deutsche Staat, in den Fußstapfen des nivellierenden Wohlfahrtssozialismus der Marke Schweden, den internen Weg geht, der die Wertneutralität der Erziehung und der Bildung groß schreibt, und daher diese Neutralität staatlich kontrollieren bzw. herstellen muß, da sie, wie fast jede beliebige Gleichheit, von Natur aus nicht auftritt. Deswegen muß der deutsche Staat die Eltern ihres natürlichen REchts auf Erziehung ihrer eigenen Kindern berauben, um alle Kinder in die Normschablone des „guten Staatsbürgers“ zu pressen, und bei allen das Besondere wegzuschneiden. Daher entspricht das deutsche Bildungssystem der Methode jenes Friseurs, der einst eine Haarschneidemaschine entwickelt hatte, die auf jeden Kopf passte – nachdem sie auf diesem Kopf einmal Verwendung gefunden hat.

Elternrechte stehen weltweit und auch in Deutschland deswegen unter Beschuß (abgesehen von dem verstärkenden Interesse des Feminismus an der Auflösung traditioneller Familieneinheiten), weil durch sie die Existenz staatsunabhängiger Einflußzentren sichergestellt wird. Ein Mensch, der durch Krippe, Kindergarten, Vorschule, Grundschule, Ganztagsschulen, die Wehrpflicht und die staatliche Universität geht, um dann einige Jahre zu arbeiten (und etwa die Hälfte seines Einkommens dem Staat zu geben, damit seine Kinder diese „Chancen“ auch haben), bevor der Staat ihm eine Altersrente zahlt, zwischendurch Krankheiten auffängt und Perioden der Arbeitslosigkeit entschädigt, wird niemals die Gelegenheit haben, wird niemals wieder frei werden. Und wenn der Staat in irgendeinem Punkte noch nicht alles für ihn tut, dann entsteht Frust und Zorn und der Haß auf das „System“, das ihn doch so sehr benachteiligt. Eine Gesellschaft wie die unsrige, in der der einzelne Mensch von der Wiege bis zur Bahre nicht abhängig ist von der Gemeinschaft (jenem informellen, spontanen, organischen und freien Zusammenschluß von Menschen), sondern vom Staat (jenem bürokratischen, zentralistischen, erzwungenen und technokratischen Monstrum), kann keine freie Gesellschaft sein. Ich sage damit nicht, daß kein Staat notwendig wäre – dies zu sagen wäre sicher falsch. Aber klar ist auch: DEr freie, verantwortliche Bürger benötigt einen starken Charakter, ein moralisches Gewissen gestählt in den Fährnissen des Lebens und den Problemen der Welt. Er muß seine Schwierigkeiten meistern und sie überwinden, auf die eine oder andere Weise (auf seine Weise eben). Wird er vom wohlwollenden Staat über die Hindernisse hinweggetragen, entwickelt er sich nicht weiter, sondern bleibt stecken. Und wenn er stecken bleibt, gibt er die Schuld dem Staat, der ihn nicht weit genug getragen hat.

Der freie, verantwortliche Bürger entwickelt sich am besten auf einem festen, eindringlich vermittelten Wertefundament, welches von zwei liebenden und gerade deshalb herausfordernden und manchmal strengen Eltern in dem Kind gelegt wird; auf einem Wertefundament freilich, das unterstützt (und gelegentlich herausgefordert) wird von einer soliden, breitgefächerten klassischen Bildung, die auch die Grundlage des Verständnisses für und der Verständigung mit diametral abweichenden Positionen schafft.

Der staatsgläubige Untertan entwickelt sich am besten auf einem wackeligen, verunsicherten Fundament schwankender Wertebeliebigkeit, welche von einem gierig nach den Kindern greifenden, diese vereinnahmenden Staat in dem Kind erzeugt wird; einer Wertebeliebigkeit freilich, die nicht Toleranz sondern eben nur Unsicherheit beinhaltet, und niemals die Fähigkeit zum kritischen Fragen, sondern nur zur Repetition vorgestanzter „kritischer“ Antworten im Sinne der staatlichen Erzieher entstehen läßt. Diese von der Regierung (und fast allen ihrer Vorgänger) verfolgte Strategie ist einer der wesentlichen Gründe für viele der Probleme der letzten 40 Jahre (darunter die Willigkeit der Deutschen, Freiheit einfach so aufzugeben) – allerdings ist sie auch Folge eben dieser Probleme: ein klassischer Teufelskreis.

Und Tragödien wie der Amoklauf in Baden-Württemberg oder die Vernachlässigung einiger Kinder durch ihre Eltern wird dann von den Protagonisten dieses entsetzlichen Dramas namens Familienpolitik immer wieder zum Vorwand genommen, den Würgegriff des Staates, in dem sich Eltern befinden, immer weiter zu verstärken - und als Folge den Funken der Freiheit gnadenlos zu ersticken.

„Asterix heißt heute Benedikt!“

Gibt es eine Medienkampagne gegen den Papst? Eigentlich für jeden Menschen mit Augen und Ohren keine Frage mehr nach den Vorkommnissen der letzten Tage. Und dennoch gäbe dies natürlich niemand zu, und ich selbst habe heute auf meinem Blog einen Kommentar erhalten, der genau dies bestritt.

Ich habe danach einmal einige andere Blogs durchsucht, und bin auf dem Blog „Mittelwächter“ auf einen Link zu einem Artikel von „eigentümlich frei“ gestoßen, eine Publikation, deren Ausrichtung als libertär zu charakterisieren ist. Die insgesamt drei dort verfügbaren Artikel zum Thema Piusbruderschaft / Hetzjagd auf den Papst gehören in der Tat zum Besten, was zu diesem Thema geschrieben worden ist. Ich werde mich darauf beschränken, einige wenige Stellen zu zitieren, doch sind die drei Artikel für Libertäre, Konservative, Mischlinge dieser beiden Arten (wie Catocon) und überhaupt jeden freiheitsliebenden, vernünftigen MEnschen absolute Pflichtlektüre.

Und dies gilt nicht nur hinsichtlich der aktuellen Kontroverse um Benedikt, sondern allgemein als Gesellschaftsdiagnose. Die allmähliche Erosion von Freiheitsrechten im Namen der Political Correctness, die Notwendigkeit von Tradition für das gesellschaftliche Zusammenleben, die lange Geschichte häßlicher Medienkampagnen gegen Anderdenkende und vieles, vieles mehr findet Platz in diesen drei Artikeln.

Eigentümlich frei vom 27. Januar:

Und während die dem Zeitgeist hinterherlaufenden Amtskirchen mit Hobby-Theaterstück-Aufführungen vor leeren Kirchenrängen peinlich auffällig werden, dürfte das ohnehin steigende Interesse am katholischen Traditionalismus wie auf der anderen Seite an evangelikalen Freikirchen weiter zunehmen. Gedankt sei der Empörungsberichterstattung jener, die zwei- bis dreimal im Jahr Adolf Hitler in Nahaufnahme mit gut sichtbarem Hakenkreuz am Revers auf ihr „Spiegel“-Cover platzieren, damit die Auflage steige.

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Die 68er-(Ex-)Zeitgeistkirchen aber mit all ihrem antikapitalistischen Öko- und Drittweltklimbim – beispielhaft sei die großspurige Coca-Cola-Boykottkampagne des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) genannt – sind längst nur noch zum Davonlaufen. Und die Mainstreammedien? Würden sie ihre Wächterfunktion gegenüber der Politik oder auch nur ihren eigenen antifaschistischen Anspruch wirklich ernst nehmen, müssten sie sich gerade jetzt einsetzen für die Meinungsfreiheit des Bischofs und gegen die jedem intelligenten Menschen unwürdige und in unseligster Tradition stehende Strafverfolgung falscher Meinungen in Deutschland.

Eigentümlich frei vom 31. Januar:

Die zunehmende Empörungswelle war vorauszusehen. Sie nimmt für den Papst nun bedrohliche Ausmaße an. Der Zentralrat der Juden in Deutschland brach den Kontakt mit der Kirche ab, Israel droht mit dem Ende der diplomatischen Beziehungen, und auf dem Cover des BRD-Zentralorgans „Der Spiegel“ am kommenden Montag wird einmal nicht Adolf Hitler zu finden sein, sondern ein Bild Benedikts mit der Schlagzeile: „Der Entrückte: Ein deutscher Papst blamiert die katholische Kirche“.

Auch andere Massenmedien, allen voran die, denen die katholische Kirche von jeher ein Dorn in ihrem fortschrittlichen Auge ist, sind sich seit Tagen einig: Der Papst hat einen schweren Fehler gemacht. Er müsse ihn zurücknehmen und sich entschuldigen. Das obligatorische Unterwerfungsritual – von Kerner in seinem Tribunal gegen Eva Herman einst vor Millionenpublikum bis über jede Peinlichkeitsgrenze und abermalige Wiederholungsschleife hinweg verlangt – wird jetzt vom Oberhaupt der katholischen Kirche eingefordert. Der Papst „muss“ sich beugen und öffentlich Abbitte leisten, hören wir auf allen Kanälen. Ohnehin und endgültig, so wird schlau vom „Tagesspiegel“ eingestreut, habe sich nun das Unfehlbarkeitsdogma als „Irrtum“ erwiesen. Womit wir beim Thema sind.

Es geht offenbar um Religion. Und um Tabus. Seit Menschengedenken hat es keine Gesellschaft ohne Tabuzonen gegeben. Ausgesprochene Ge- und Verbote sowie unausgesprochene Tabus sind die Abzäunungen, die offenbar nötig sind, um ein einigermaßen reibungsloses und vorausschaubares Leben für den Einzelnen zu ermöglichen.  Die biblischen Zehn Gebote sind ein Beispiel für diese Grenzziehung. Jahrhundertelang galten sie, heute wirken sie auf viele eher lachhaft als sinnstiftend: „Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.“ Totalitäres Christentum! „Du sollst Vater und Mutter ehren!“ Autoritär und altertümlich! „Du sollst nicht ehebrechen.“ Ein guter Witz beim nächsten Besuch des Christopher Street Day! „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.“ Der Neid ist das Fundament, auf dem der moderne Sozialstaat gebaut wurde.

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Die klassisch liberalen Ökonomen und Sozialphilosophen Friedrich August von Hayek etwa oder Ludwig von Mises wiesen immer wieder darauf hin, dass Menschen ohne gewachsene Traditionen „sozial blind“ seien, ja gar nicht lebensfähig.

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Das sehen auch die neuen Hohepriester der „Political Correctness“ so. Sie schufen deshalb neue Ge-und Verbote, deren Infragestellung keinem Menschen wirklich zu empfehlen ist. Heilig ist nun vor allem anderen die „Demokratie“.

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Dabei waren so ziemlich alle griechischen Philosophen und selbst alle Gründerväter der USA sich noch einig darin, dass demokratische Staaten dem Untergang geweiht sind.

Mit der Demokratie glauben wir heute an die Gleichheit des Menschen. Weshalb zum Beispiel die IQ-Forschung tabuisiert wird. Rassen, ja selbst Geschlechter, so wird uns nun gesagt, gibt es nicht (mehr). Männlichkeit und Weiblichkeit werden bereits im Kindergarten verfolgt und ausgetrieben wie einst allenfalls der Teufel.

Als wäre dies nicht genug, hat ein höchst diesseitiger Schuldkult die christliche Ursünde abgelöst. In den USA ist es die Schuld des weißen Mannes, die heute eine messiasähnliche Rolle Barack Obamas – und in Deutschland Liveübertragungen seiner Amtseinführung auf allen Kanälen gleichzeitig – ermöglichen. Auch hierzulande wird diesseitig Schuld zelebriert – die „spezifisch deutsche Schuld“. Der deutsch-amerikanische Historiker Paul Gottfried erklärt den Wandel so: Die metaphysische individuelle Schuld sei vor allem im protestantischen Nordeuropa, in den USA und Kanada in eine gesellschaftliche Schuld umwandelt worden. Manche säkularen Intellektuellen und einige protestantische Theologen sähen in dieser Schuldannäherung die Erfüllung der in der Bibel nur angedeuteten sozialen Gerechtigkeit sowie der christlichen Pietät. Die frühere christliche Verpflichtung zur Nächstenliebe werde, so Gottfried, heute in einen gesellschaftlichen Zwang umgewandelt. Der Umfang des zu bekämpfenden menschlichen Verhaltens – Stichwort: Antidiskriminierungsgesetze – werde dabei ständig erweitert.

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In der gewaltigen Medienkampagne, die nun gegen den Papst geführt wird, ist ihre Hemmungs- und Erbarmungslosigkeit auffallend. Widerspruch, und sei es auch nur am Rande der Debatte, wird nicht mehr geduldet. In die Fernseh-Talkshows zum Thema wurde schlicht kein einziger Gast eingeladen, der auch nur ansatzweise der Anklage widersprochen hätte.

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Nun gibt es aber zwischen den Ge- und Verboten der modernen Politischen Korrektheit und den biblischen Zehn Geboten einen grundlegenden Unterschied. Handelte es sich früher vor allem um tabuisierte Handlungen (Ehebruch, Diebstahl, Mord) oder Verbote handlungsanfälliger Gefühle (Neid, Untreue, auch gegenüber Gott), so tabuisieren Politiker und Medien heute alleine unbotmäßige Gedanken, das Suchen nach wissenschaftlicher Wahrheit (Genderideologie, Klimahysterie) oder geschichtlichen Zusammenhängen (Feminismus, Schuldkult). Die Moderne, die sich vordergründig die Vergötterung der Ratio auf die Fahnen schrieb, ist damit „hinten rum“ bei der Verteufelung selbstständigen Denkens angekommen.

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Und es gibt noch einen Gegensatz zwischen den alten und neuen Dogmen: Die Zehn Gebote haben ihren Praxis-Test als Leitfaden für einige Jahrhunderte bestanden. Heutige westliche Gesellschaften unter dem Diktat der Political Correctness müssen ihre Überlebensfähigkeit erst noch beweisen. Ein Blick auf die demographischen Daten zeigt, dass die durchgehende Politisierung und Sexualisierung des Zusammenlebens und das Ersetzen der Familie durch den anonymen Sozialstaat möglicherweise ein Ein-Generationen-Experiment ist, das mangels Nachwuchs in massenhaft mental vereinsamten wie materiell verarmten Altengesellschaften sein Ende findet könnte.

Dennoch scheint die Herrschaft der ökosozifemiantifapolitischen Korrektheit heute unumschränkt. Beinahe jedenfalls. Denn wieder einmal existiert ein kleines Dorf in Gallien. Asterix heißt heute Benedikt! Die Katholische Kirche als Sinn- und Gebotsstifter der Vergangenheit ist der naturgemäß größte Feind der heutigen Ersatzreligion Political Correctness. Es geht um nicht weniger als einen Kulturkampf zwischen altem und neuen gesellschaftlichen Überbau, zwischen Religion und Pseudoreligion, ja auch zwischen alten, konservativen, rechten und oft marktwirtschaftlichen Vorgaben hier und neuen, progressiven, linken und staatsvergottenden Diktaten dort. Deshalb – und nicht wegen einiger wirrer Aussagen eines Mitbruders, die mit den Interessen und Aufgaben der Kirche so wenig zu tun haben wie der Lieblingsfußballverein des Pfarrers von Gelsenkirchen – wird nun auch der Papst von den üblichen Verdächtigen so bösartig angegangen wie in der deutschen Presse seit 1945 nicht mehr.

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Es bleibt also interessant. Denn der Papst und die ihm folgenden Teile der katholischen Kirche stehen keineswegs alleine. In vielen Fragen wird er unterstützt von der (hier gesamten) russisch-orthodoxen Kirche im Osten wie von amerikanischen Evangelikalen im Westen. Dabei – und nun wird es richtig spannend – ist der Muselman als möglicher Partner noch gar nicht genannt.

Eigentümlich frei vom 3. Februar:

Die Medienkampagne explodiert. Zuerst schreibt Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, höchstselbst in seiner „Bild“: „Es ist moralisch das Allerletzte, das Allerverachtenswerteste, wenn einer das rassistische Morden relativiert. Der Papst hat einen schweren Fehler gemacht.“ [Wird hier nicht insinuiert, der Papst hätte den Holocaust geleugnet? - Catocon]

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Spiegel-Online, die quasi amtliche deutsche Nachrichtenseite im Internet, kennt seit Tagen nur noch ein Thema. Hier eine unvollständige Auswahl von sechs „Spiegel“-Artikeln alleine vom heutigen Tage, die Überschriften alleine sprechen für sich: „Holocaust-Debatte: Merkel fordert Papst zur Klarstellung auf“, „Kritik vom Zentralrat: Verhältnis der Juden zum Vatikan vergiftet“, „Katholische Hardliner: Wie die Piusbrüder gegen Juden, Muslime und Schwule hetzen“, „Päpstliches PR-Desaster: Warum der Vatikan die Krise nicht beherrscht“, „Streit über Holocaust-Leugner: Kardinal Lehmann nennt Papst-Entscheidung Katastrophe“, „Hells Bells: Papst erschüttert Katholiken“.

In jeder der vergangenen Medienkampagne (Möllemann, Hohmann, Herman etc.) spielten die gedruckte „Bild“, Spiegel-Online (und Druck) sowie die Staatsfunker von ARD und ZDF die Rolle der drei Einheizer (ef berichtete). Politiker und Promis flankierten jede der Kampagnen.

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Sprache und Prominenz der Wortmelder sind verräterisch. Inzwischen ahnt auch der Letzte, dass hier ein Religionskrieg ohne Erbarmen geführt wird. Medien und Politik als Hohepriester der säkularen Religion der Politischen Korrektheit verlangen nicht weniger als die Unterwerfung ihres letzten Widersachers. Der Papst „muss“, so fordern sie es offen wie von einem angeklagten Verbrecher, ihrer Anweisung Folge leisten und das in Deutschland strafbewährte „Leugnen des Holocausts“ (gemeint ist konkret ein Infragestellen der sakrosankten Millionenziffer) vom Zivilrecht ins Kirchenrecht übertragen. Eine im Grunde absurde Forderung. Aber in Zeiten, in denen selbst der Deutsche Fußballbund politisch korrekte Elemente in seine Verbandsjustiz einwebt ist auch diese Absurdität nur konsequent. Die neue säkulare Religion strebt wie einst ihre Vorläufer NSDAP oder SED heute nicht mehr allzu verdeckt eine totalitäre Herrschaft über „alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens an“. Ausnahmen selbst im Kirchenrecht können nicht mehr geduldet werden.

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Jede der jüngsten Medienkampagnen vergrößerte den Graben zwischen der veröffentlichten Meinung und dem Volk. Mit jeder neuen Kampagne verlieren Politik und Medien abermals an letzten Vertrauensresten. Die „Welt“ ließ eine Online-Umfrage zu: „Papst Benedikt XVI. hat mit seinen jüngsten Entscheidungen viel Kritik hervorgerufen. Wie beurteilen Sie seine Arbeit?“, fragt die „Welt“. Die überwältigende Mehrheit von 64 Prozent der bis heute etwa 25.000 Teilnehmer der Abstimmung antwortet: „Sehr gut, er zieht seine Linie durch und macht alles richtig.“ Kommentatoren in Online-Foren werden wie in den vorangegangenen Medien-Kampagnen in Massen zensiert und gelöscht oder in dieser Frage gar nicht erst zugelassen. Die ob der Medien-Hatz empörten Leserbriefe, so sickert aus den Redaktionen durch, gehen erneut in jedem Zeitungshaus in die Tausende.

Und doch herrscht ein geradezu gespenstisches sowjetisches Medien-Einheitsbild. Wie in den besten Zeiten der DDR werden immer neue „klassenbewusste“ Zeugen der Anklage vorgeführt. Darunter auch papst-kritische deutsche katholische Bischöfe. Kann es irgendwen verwundern, dass die vom deutschen Sonderrecht der Kirchensteuer wohlgenährten Vertreter der Amtskirche Vater Staat und dessen Glaubensdoktrinen im Zweifel eher Gefolgschaft leisten als dem heiligen Vater in Rom?

Was hat der Papst eigentlich getan? Er hat vier Exkommunikationen – für gläubige Katholiken so etwas wie eine seelische Todesstrafe – auf persönliche Bitten zurückgenomme. Der Oberhirte aus Rom interessiert sich dabei schlicht nicht für die Riten, Glaubenssätze und Tabus der konkurrierenden Ersatzreligion. Wer glaubt, dass es quasireligiöse Vorgaben nicht mehr gibt, der überprüfe sich einmal selbst beim Versuch, einen Satz zum Holocaust zu sagen. Oder er lese die eingangs zitierten Worte des einflussreichsten deutschen Verlegers.

(…)

Uns wird nun fortlaufend erzählt, dass auch viele Katholiken über den Papst entsetzt seien. Das ist richtig. Es sind aber vornehmlich die Seichten, die der Ersatzreligion der politischen Korrektheit bereits mehr ergeben sind als ihrer katholischen Kirche. Wahr ist aber auch: Für noch mehr Anders- und sogar Ungläubige ist der Papst dieser Tage der letzte Hoffnungsträger der Abwehr einer ins Totalitäre gehenden Politischen Korrektheit, die keinerlei Anstand und Erbarmen mehr kennt. Es sind – vielleicht nicht zur Freude der Piusbrüder – eben auch viele evangelische und orthodoxe (diese ohnehin) Christen sowie nicht zuletzt auch Moslems und Atheisten, die heute nach Rom blicken und sagen: „Sehr gut, er zieht seine Linie durch und macht alles richtig!“

Eine Anmerkung noch zu dem letzten Punkt: Es kommt wirklich nicht mehr darauf an, welcher Religion man angehört, sondern zunehmend nur noch darauf, ob man davon überzeugt ist, daß die Nützlichkeitsideologie transzendierende Werte, Traditionen, individuelle Freiheit (statt kollektive Optimierungsideologie) wichtig und notwendig sind, oder ob man lieber diese FReiheit aufgibt für die Schöne Neue Welt der klinisch reinen „wissenschaftlichen“ Ideologien. Ob christlich oder atheistisch, islamisch oder jüdisch; ob links, grün, liberal oder konservativ; all dies wird keine Rolle mehr spielen. Daher schrieb ich am Ende meines Artikels „Der weise Benedikt: Zur Funktion der Tradition„:

Tradition und Fortschritt – das werde ich nicht müde zu betonen – sind beide notwendig und müssen Hand in Hand gehen. Die Einbindung des Traditionalismus in alle Bereiche der Gesellschaft ist daher eine notwendige Bedingung für den Erhalt unserer Zivilisation. Dies gilt, und damit schließe ich, nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Politik, wenngleich diese natürlich eine höhere Kompromißbereitschaft zum Zeitgeist hin braucht, und erst recht für jeden Einzelnen. Tradition ohne Fortschritt läßt eine Gesellschaft versauern in ewig ausgetretenen Pfaden und führt zur totalen Stagnation; Fortschritt ohne Tradition erzeugt entwurzelte, atomisierte Individuen, die dem ersten Rattenfänger nachlaufen, der sich ihnen anbietet, da sie keine Orientierung und kein Verständnis von Richtig und Falsch besitzen. Derzeit rudern die Konservativen gegen den Strom, und sie verlieren an Boden. Im Papst haben sie einen wichtigen Freund, und da konservative und progressive Haltungen beide erforderlich sind für eine wahrhaft gute Gesellschaft, hat jeder, der am Fortbestand und der positiven Entwicklung unserer Gesellschaft interessiert ist, einen guten Freund im Papst. Und solche gute Freunde braucht die Welt derzeit – ob atheistisch, agnostisch, jüdisch, christlich, islamisch oder was auch immer – wahrhaft dringend. Gut, daß wir ihn haben. Schlecht, daß viele ihn diskreditieren wollen.

Zu der Frage der radikalen Toleranzideologie, auch unter dem Namen „Political Correctness“ bekannt empfehle ich diesen Artikel, den ich vor einiger Zeit geschrieben habe: „Toleranz als Adjutant der Freiheit

Ferner: Jim Kalbs „The Tyranny of Tolerance“ (aus dem letzten Oktober zu diesem seit Jahren an Bedeutung zunehmenden Phänomen)

Die katholische Kirche steht derzeit durch ihren Papst noch eindeutig hinter der Tradition und hinter ihren eigenen Grundwerten (das unterscheidet sie, wie Merkels Äußerungen zum Thema Piusbruderschaft beweisen, von der CDU). Solange dies der Fall ist, hat die Kirche es verdient, daß Menschen aller Glaubensrichtungen (oder gar keiner) ihr für ihre Standhaftigkeit in dieser wesentlichen Frage der Zukunft unserer Zivilisation danken, und sie verteidigen, wenn sie angegriffen wird.

Also bleibe ich dabei: Weiter so, Benedikt!

Benedikt und der Medienhype: Nachtrag

Daß es sich um eine Medienkampagne aus interessierten Kreisen gegen einen konservativen Papst handelt und nicht um ein ehrliches Berichten über einen Konflikt innerhalb der katholischen Kirche über die Piusbruderschaft könnten auch folgende kleine Fakten belegen:

Heute ist der4. Februar 2009. Vor sechs Tagen entschuldigte sich Bischof Williamson für seine Äußerungen und den Schaden, den er dem Papst und der Kirche zugefügt hat. Hier seine tatsächlichen Worte in einem Brief an den Kardinal Castrillón Hoyos:

Your Eminence

Amidst this tremendous media storm stirred up by imprudent remarks of mine on Swedish television, I beg of you to accept, only as is properly respectful, my sincere regrets for having caused to yourself and to the Holy Father so much unnecessary distress and problems.

For me, all that matters is the Truth Incarnate, and the interests of His one true Church, through which alone we can save our souls and give eternal glory, in our little way, to Almighty God. So I have only one comment, from the prophet Jonas, I, 12:

„Take me up and throw me into the sea; then the sea will quiet down for you; for I know it is because of me that this great tempest has come upon you.“

Please also accept, and convey to the Holy Father, my sincere personal thanks for the document signed last Wednesday and made public on Saturday. Most humbly I will offer a Mass for both of you.

Sincerely yours in Christ

+Richard Williamson

Ob man dies nun allein schon für ausreichend hält, um die Worte Williamsons zu entschuldigen oder nicht: Wären die Medien an einer neutralen Berichterstattung interessiert, dann hätten sie dies auch berichten müssen. Offensichtlich sind die Mainstream-Medien aber nicht an einer neutralen, sachlichen Berichterstattung sondern an einer Diffamierungskampagne gegen Benedikt XVI. interessiert, oder allgemein gegen konservative Katholiken, die es wagen, ihrer Überzeugung entsprechend zu sprechen und zu handeln.

Eine fünfminütige Recherche im Internet erbrachte für diesen Brief gleich drei Quellen hervor:

Rorate Caeli; WDTPRS; Scott P. Richards

Und für diese „journalistische Meisterleistung“ habe ich nicht einmal Google gebraucht, keine journalistische Ausbildung, und erst recht nicht die riesigen Ressourcenberge der professionellen Journalisten bei den Fernsehsendern und überregionalen Tageszeitungen, die sich seit Tagen mit dem Fall beschäftigen. Wohlgemerkt: der Brief ist sechs TAGE alt.

Ferner wurde das Interview mit Williamson „zufällig“ in dem Moment bekannt, in dem der Papst die Aufnahme der vier Bischöfe aus der Piusbruderschaft (darunter auch Williamson) bekanntgab. In diesem Zusammenhang sind auch gewisse Berichte interessant, die italienische Religionsjournalisten (die scheinbar ihre Arbeit wenigstens noch ernstnehmen) aus Kreisen des Vatikans berichten. Diesen zufolge sei das Interview, in dem Williamson seine umstrittenen Äußerungen geäußert hat, schon am 22. November 2008 geführt worden, und erst zwei Monate später veröffentlicht worden (freilich BEVOR der Papst seine Entscheidung bekanntgab, wenn auch sehr kurz davo). Diese Unstimmigkeiten und Fragwürdigkeiten und andere führten zu folgenden Berichten:

Paolo Rodari

IlGiornale.it

Und für die des Italienischen nicht oder nur sehr rudimentär mächtigen (wie mich), welche den Inhalt dieser beiden Berichte nur extrem grob verstehen noch eine englische Zusammenfassung und Auszüge des ganzen:

Rorate Caeli

Wie glaubwürdig diese Behauptungen sind, kann natürlich an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Merkwürdig ist aber wiederum, daß aus den Mainstream-Medien ABSOLUT NICHTS davon zu hören ist. Diese recyclen jeden Tag erneut dieselben zehn Sätze über die abscheuliche Meinung Williamsons zum Holocaust, die gekünstelte Aufregung verschiedener Katholiken, Politiker und anderer Amtsträger, die sich bei linksliberalen Kreise anbiedern möchten; und das obgleich sich Benedikt noch eine Woche vor der Entscheidung über die Aufnahme der vier Bischöfe öffentlich und DEUTLICH gegen die Leugnung oder Verharmlosung des Holocaust und FÜR einen tieferen Dialog mit anderen Religionen, darunter auch dem Judentum, ausgesprochen hatte!

Berichtet wird auch die verständliche Aufregung aus jüdischen Kreisen, welche explizit eine weitere Versicherung des Papstes fordern, daß er nicht hinter den Worten Williamsons stehe.

Wären die Mainstream-Medien neutral, so gingen sie solchen BErichten und Vorwürfen wenigstens ernsthaft nach, berichteten über sie, und hielten sich mit insinuierten Rücktrittsforderungen gegen den Papst eifrig zurück!

Vielleicht ist der Papst aus Deutschland ja inzwischen aus Schaden klug geworden und findet einige deutliche Worte – oder fällt eine für alle nachvollziehbare Entscheidung.

Und nur drei Zeilen darunter in einem nachträglichen Informationskasten:

Kann ein Papst zurücktreten?

Deutlicher geht es ja wohl nicht mehr. Welche „nachvollziehbare Entscheidung“ die „Journalisten“ wohl meinen? Vorher war an keiner Stelle von einem Rücktritt die Rede, niemand hat ihn dem Artikel zufolge gefordert usw. Aber dann plötzlich diese Frage und die bejahende Antwort. Ach, hielten sich die Medien doch wenigstens an gewisse Minimalstandards der Ehrlichkeit und unterließen plumpe Lügen, Einseitigkeiten und versteckte Rücktrittsforderungen wie diese! Es wenigstens offen zu fordern, sind diese Menschen wohl zu feige!

Mir bleibt nur, die nahezu endlose Reihe von einseitiger Berichterstattung zum Thema beiseite zu lassen, denn meine Zeit ist im Gegensatz zu den Schmierblättern und -sendern dieser Welt stark begrenzt.

Bleib stark, Benedikt! Weiter so!

Nachtrag II: (Von der Homepage der Piusbruderschaft) [7 Tage alt!!]

Stellungnahme des deutschen Distriktoberen zu den Aussagen von Bischof Williamson:

Als Distriktoberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Deutschland bin ich mit meinen Mitbrüdern erschüttert über die Aussagen von Bischof Williamson hier in diesem Land.

Die Verharmlosung der Judenmorde des NS-Regimes und dessen Greueltaten sind für uns inakzeptabel.

Die Verfolgung und Ermordung von zahllosen Juden im Dritten Reich berührt uns äußerst schmerzlich, verletzt sie doch zutiefst das christliche Gebot der Nächstenliebe, die keine ethnischen Unterschiede kennt.

Ich möchte mich für dieses Verhalten entschuldigen und mich von jedweder Aussage dieser Art distanzieren.

Für uns ist eine solche Distanzierung auch deshalb selbstverständlich, weil der Vater von Erzbischof Lefebvre selbst in einem KZ umgekommen ist und auch viele katholische Priester in Hitlers Straflagern ihr Leben ließen.

Stuttgart, den 27.01.2009

Pater Franz Schmidberger
Distriktoberer

Und ferner: [ebenfalls 7 Tage alt!!]

Kommuniqué des Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X.
Bischof Bernard Fellay zu Bischof Williamson.

Wir haben von einem Interview Kenntnis erlangt, das Bischof Richard Williamson, der ein Mitglied unserer Bruderschaft ist, dem schwedischen Fernsehen gab. In diesem Interview äußert er sich auch zu historischen Fragen, insbesondere zum Judenmord der Nationalsozialisten. Es ist offensichtlich, daß ein Bischof nur zu Fragen des Glaubens und der Moral mit religiöser Autorität sprechen kann. Unsere Bruderschaft beansprucht keinerlei Autorität über historische oder andere säkulare Fragen. Die Mission der Priesterbruderschaft ist die Verbreitung und Wiederherstellung der authentischen katholischen Lehre, wie sie in den Dogmen niedergelegt ist. Dafür sind wir weltweit bekannt, akzeptiert und geschätzt. Wir sehen mit großer Sorge, wie die Überschreitung dieses Auftrages durch unser Mitglied unserer religiösen Mission schweren Schaden zufügt. Wir bitten den Heiligen Vater und alle Menschen guten Willens um Entschuldigung für den dadurch hervorgerufenen Ärger. Dabei muss klar sein, dass diese Äußerungen in keiner Weise die Haltung unserer Gemeinschaft wiedergeben. Deshalb habe ich Bischof Williamson bis auf weiteres jedwede öffentliche Stellungnahme zu politischen oder historischen Fragen untersagt.

Die ständig vorgebrachten Anklagen gegen unsere Bruderschaft dienen offenkundig auch dem Zweck, unsere Mission zu diskreditieren. Das werden wir nicht zulassen, sondern fortfahren, die katholische Lehre zu verkünden und die Sakramente in ihrer altehrwürdigen Form zu spenden .

Menzingen, den 27. Januar 2009

Bischof + Bernard Fellay
Generaloberer

Doch die Medien möchten ja weder hören noch sehen. Der Skandal ist einfach zu schön für sie.

Toleranz als Adjutant der Freiheit

Präludium:

Der folgende Essay entstand als Reaktion auf und im Anschluß an den Artikel von Jim Kalb („The Tyranny of Tolerance„), über den ich mich gestern bereits kurz geäußert habe. Sein Zweck ist es die Begrifflichkeit der Toleranz zu untersuchen und Erkenntnis darüber zu gewinne, welche Rolle die Toleranz in einer freien Republik zu spielen hat.

1. Einleitung: Viele Duldungen

Andrea Ypsilanti und die hessische SPD werden mit der Linkspartei in eine Verbindung eintreten, die man „Tolerierung“ nennt. Darunter ist zu verstehen, daß die Abgeordneten der Linkspartei im Landtag von Wiesbaden bei der Wahl zum Ministerpräsidenten die Kandidatin der SPD mitwählen werden, und daß sie offen sein werden für die Umsetzung von Projekten, die aus der SPD-Regierung stammen. Dies bedeutet nicht, daß die Linkspartei zwangsläufig als Mitglied einer irgendwie gearteten „Regierungskoalition“ zu sehen wäre.

Durch die Tolerierung der deflationären Politik des Präsidialkabinetts Brüning im Jahre 1931signalisierte die SPD keinesfalls Unterstützung für die Programmatik der Regierung. Der Versuch Brünings, die Reparationszahlungen durch eine bewußte Verschärfung der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in Deutschland mittels einer längst als falsch erkannten Wirtschaftspolitikzu einem vorzeitigen Ende zu bringen hatte beinahe Erfolg. Ein einjähriges Moratorium war bereits beschlossen worden, und es war abzusehen, daß am Ende dieser Zeit keine Wiederaufnahme jährlicher Zahlungen geschehen würde. Als Brüning letztlich über Intrigen im Hinterzimmer Hindenburgs stürzte, und die Tolerierungsbereitschaft der SPD längst überschritten war, klagte der Kanzler darüber, daß er auf der Zielgeraden zu Fall gebracht worden sei, was im WEsentlichen durchaus stimmte. Doch die monarchistische Elite unter den Souffleuren Hindenburgs war nicht länger bereit, die relativ gemäßigte, sozialdemokratenfreundliche Politik zu tolerieren. Als die Toleranzgrenze sowohl der SPD als auch der Strippenzieher des Reichspräsidenten überschritten war, kam Franz von Papen, aber das führte vom Thema weg…

Toleranzedikte sind in der Geschichte oft erlassen worden, wenn es darum ging, daß die Herrscher eines Landes versichern wollten, daß sie auch die Ausübung von Religionen, denen sie nicht selbst angehörten, nicht mit Strafverfolgung belegen würden. Sie bezogen sich also auf die Duldung abweichender Religionsgruppen. Wo diese Toleranz nicht gezeigt wurde, kam es zu Vertreibungen oder gelegentlich auch Kriegen.

Wenn Michael Schumacher in einem Ferrari ein in den Regeln festgelegtes Maß um 10mm unterschreitet, obwohl in den Regeln eine Toleranz von 5mm festgelegt ist, wäre dies eine Verfehlung. Weil aber Ferrari einigen Einfluß besitzt, und die REgeln wie meistens sehr schwammig formuliert sind, kommt Schumacher ohne Strafe davon, obwohl er die von den Regeln vorgeschriebene Maßzahl nicht nur in einem Maße unterschritten hat, daß von der Rennleitung zwar nicht gewünscht, aber immerhin geduldet wird,, sondern sogar um einige Millimeter mehr, als gerade noch akzeptabel wäre.

2. Die Bedeutung von Toleranz

All diesen und vielen anderen Beispielen gemeinsam ist die Bedeutung des Wortes Toleranz. Das Wort wird da gebraucht, wo ein bestimmtes Verhalten geduldet wird. Die Linkspartei duldet eine SPD-Regierung. Die SPD und Hindenburg dulden die Politik Brünings. Protestantische Herrscher dulden katholische Untertanen. Die FIA duldet gewisse Abweichungen von den in der Regel festgelegten Spezifikationen. Toleranz zeigen die Menschen, die etwas dulden. In den meisten Fällen braucht man keine Toleranz, wenn die zu tolerierende Verhaltensweise vollkommen akzeptiert ist. Protestantische Herrscher brauchen keine Toleranzedikte auszusprechen, damit protestantische Untertanen toleriert werden, das geschieht von allein. Die Linkspartei bräuchte Ypsilanti nicht zu dulden, wenn sie die Politik Ypsilantis vollständig akzeptieren würde (und umgekehrt); man könnte schlicht direkt koalieren. Die SPD hätte Brüning mit ja-Stimmen unterstützen können, aber sie haben sich meist einfach enthalten, so daß es keine Mehrheit gegen Brüning gab. Hätten sie die Politik Brünings für richtig gehalten, so hätten sie keine Toleranz, keine Duldung, gebraucht; sie hätten einfach mit ja gestimmt. Wenn Ferrari die vorgeschriebenen Regeln genau eingehalten hätte, und die FIA den Daten des Ferraris von Schumacher vorbehaltlos zugestimmt hätte, so wäre es nie zu einem Verfahren gekommen. Erst durch die Abweichung von der Norm bestand die Frage, ob man „tolerieren“ könne, was dort vor sich geht.

Offenbar hat Toleranz also überhaupt nichts mit Zustimmung oder auch nur Wohlwollen zu tun. Die SPD verabscheute Brüning, und frühneuzeitliche Christen unterschiedlicher Konfessionen verachteten einander umso mehr. Toleranz ist immer dann selbstverständlich, wenn alles so ist, wie es sein soll. Wenn man das VErhalten eines Menschen nicht ablehnt, dann muß man es gar nicht aktiv tolerieren; man unterstützt es ja schon, oder ist wenigstens gleichgültig-neutral.

Die einzige Situation, in der Toleranz gebraucht wird, ist bei einer Abweichung von einer Norm, die aber nicht so schwerwiegend ist, daß sie die „Toleranzgrenze“ überschreitet, also aktive Verhinderung erfordert. Niemand würde behaupten, wenn A den B schlachten wolle, dann müßten B oder die Polizei das tolerieren. Wir können in solchen Fällen sagen, daß es nicht akzeptabel ist, einen Mord zu rechtfertigen im Namen der Toleranz. Wenn es sich um geringere Normabweichungen handelt, in denen das Verhalten einer Person nicht als so stark abweichend empfunden wird, daß direkte Handlungen geboten wären, dann wird Toleranz gezeigt.

Also nochmal: Ohne Abweichung vom Idealzustand keine Toleranz, bei zu starker Abweichung vom Idealzustand auch keine Toleranz. Der Begriff der Toleranz ist nahezu synonym mit dem der Duldung. Manches Verhalten dulden wir, manches nicht mehr. Aber bei VErhalten, dem wir zustimmen, stellt sich die FRage, ob wir es dulden sollen oder nicht gar nicht erst.

3. Toleranz als Konsens?

Nun gibt es aber viele Menschen, die Toleranz heutzutage so verstehen, daß man dem Tolerierten zustimmen müsse. Es wird Toleranz für andersartige Sexualität gefordert, um nur ein Beispiel zu nennen, das immer wieder aufkommt. Dieser Forderung ist voll und ganz zuzustimmen. Eine von der Norm abweichende Sexualität ist keinesfalls in irgendeiner Form schrecklich oder unerträglich für eine Gesellschaft. Daher ist solche Abweichung in einer freien Republik zumindest zu dulden, soviel steht für mich außer Frage. Die legitime FRage, die dann zu diskutieren wäre, ist, ob die Gesellschaft ein bestimmtes Verhalten als Norm anerkennt, oder als Abweichung von der Norm sieht, und daher bloß duldet. Doch die Befürworter solcher Toleranz gehen oft genug weiter und fordern eine Kriminalisierung von Gedanken oder Äußerungen, die sich gegen die genannte Sexualpräferenz richtet. Fast immer wird auch die „Toleranz“ der Menschen bezweifelt, die sich gegen die Bildung einer neuen Norm richten, welche dann auch „andersartige“ Präferenzen umfassen würde. Diese Menschen werden als bigott bezeichnet, sie werden mit Schimpfworten überhäuft für etwas, was – in den meisten Fällen – gar nicht als „intolerant“ bezeichnet werden kann.

Die Forderung nach der Kriminalisierung z.B. homosexueller Partnerschaften findet sich nur noch sehr selten, und eine strafrechtliche Relevanz zu sehen ist sicher ein Zeichen von Intoleranz, da die Proponenten solcherlei Ideen nicht zu dulden bereit sind, was andere Menschen als für sich den richtigen Lebensstil ansehen. Doch meistens geht es nur noch um die FRage staatlicher Unterstützung für solche Partnerschaften, die bislang nicht als förderungswürdig angesehen wurden. In dieser Debatte gibt es verschiedene Positionen, doch keine von ihnen ist per se intolerant gegenüber Homosexuellen, weil sie alle einig sind, daß das Verhalten dieser Personengruppe geduldet werden soll.

Dies mag als Beispiel für diese Umdefinierung der Toleranz gelten, über die ich gestern geschrieben habe (vgl. den Artikel unter diesem). Denn die Gegner der staatlichen Förderung der Homo-Ehe sind nur dann als intolerant anzusehen, wenn die fehlende Bereitschaft vieler, insbesondere christlicher, Gegner dieses neu einzuführenden Rechtsinstituts, die Homosexualität als akzeptable Norm zu sehen, bereits an sich intolerant ist. Sie sind also nur dann intolerant, wenn Intoleranz die Weigerung ist, einen anderen Lebensstil als moralisch gut anzusehen.

4. Warum alle „intolerant!“ sind

Wenn Toleranz die Befürwortung eines Verhaltens ist, nicht bloß die Duldung, dann gibt es in der Tat viel Intoleranz auf der Welt.

Wir befürworten nicht die Vergewaltigung von Kleinkindern, und wir befürworten nicht das bewaffnete Ausrauben einer alten Frau. Viele lehnen die Korruption von Politikern und ihre Bestechlichkeit ab. Sind wir deshalb intolerant? Nein, denn diese Verhaltensweisen überschreiten das Maß des erträglichen. Sie richten sich gegen die Grundwerte der freien Republik,in erster Linie Leben und Freiheit, daher sind sie nicht zun dulden in einer Gesellschaft und müssen bekämpft werden. Dies ist der Grund, warum die meisten Staaten eine Polizei unterhalten, und warum es richtig ist, daß sie es tun.

Aber wenn Toleranz die Befürwortung eines VErhaltens fordert, und nicht bloß die Duldung, dann gibt es viel Intoleranz auf der Welt auch in den Bereichen, in denen keine Normabweichungen vorliegen, die Leben oder FReiheit der Bürger bedrohen. Dann sind in der Tat alle Gegner der Homo-Ehe intolerant. Aber nicht nur die. Sondern auch alle diejenigen, die der Auffassung sind, daß es besser für Kinder ist, wenn sich die eigenen Eltern um sie kümmern. Und alle, die rülpsende Jugendliche in Zügen bloß zähneknirschend dulden, statt bewundernd zuzuschauen. Es sind alle Menschen intolerant, die die Verschandelung von öffentlichen Flächen durch meist jugendliche Möchtegernkünstler (alias Graffiti), nicht wundervoll finden. Und alle Menschen sind intolerant, die irgendeinem rechtlich akzeptablen Verhalten eines Menschen staatliche Fördermittel verweigern wollen. Eigentlich ist jeder jedem Menschen gegenüber intolerant, dem er nicht in allen FRagen vorbehaltlos zustimmt. Vielleicht ist dieses Klima der Angst vor dem Vorwurf, intolerant zu sein, auch ein Grund, warum jeder heute nur noch sagt: „Meiner Meinung nach ist das so“, statt „so ist es“. Denn in einem solchen Klima wird bloßes Nicht-Zustimmen, bloße Kritik gern mißverstanden als Intoleranz. Und wenn der Kritisierte dann auch noch zu einer der als „Opfer von Intoleranz“ deklarierten Gruppe zählt, dann ist der Kritiker automatisch intolerant und der Kritisierte immun gegen jede Form von Kritik.

Christen, die eines Homosexuellen Lebensstil oder Sexualpräferenz aus biblischen Gründen ablehnen, üben Kritik. Sie sind nicht per se intolerant, sondern sie lehnen die Ansicht des Homosexuellen ab. Solange sie keine Straftaten begehen, um den Homosexuellen von seinen „verfehlten WEgen“ abzubringen, ist alles in Ordnung und zu akzeptieren. Und das gilt auch umgekehrt für Homosexuelle (und andere), die einen Christen versuchen, davon zu überzeugen, daß sein Lebensstil oder seine Religionspräferenz falsch ist. Auch hier: Solange keine Straftaten begangen werden, um jemanden auf den „rechten Weg“ zu bringen, handelt es sich um Kritik, es handelt sich um Debatten oder gar Streit, aber nicht um Intoleranz.

Wer die Palästinapolitik Israels kritisiert ist nicht per se Antisemit. Wer die Außenpolitik der USA kritisiert nicht per se antiamerikanisch eingestellt. Und wer die „Genderpolitik“ (wie das heutzutage heißt), der EU kritisiert, ist weder per se gegen die EU, noch gegen die Karrierefrauen und Homosexuellen, die von dieser Politik begünstigt werden. Man darf niemals die Ablehnung einer politischen Position oder eines privaten Lebensstils verwechseln mit der Intoleranz.

Man kann jemandes Verhalten noch so sehr ablehnen, man kann es sogar für den sichersten Weg in die Hölle halten, man kann davon überzeugt sein, daß es geradezu böse ist, völlig inakzeptabel, man kann wollen, daß man dieses VErhalten nicht sehen muß, und man kann gegen jede Förderung dieses Verhaltens sein, all dies gehört in den Bereich der individuellen Freiheit. Solange man bereit ist, wie zähneknirschend auch immer, die Fortführung des betreffenden Verhaltens zu dulden, handelt man im eigentlichen Sinne tolerant.

Wer gegen die Tötung von Palästinensern im Nahen Osten demonstriert, kann Antisemit sein. Vermutlich wird der Judenhasser auch in der Nahostpolitik antijüdisch sein, es sei denn er haßt die Palästinenser noch mehr als die Israelis. Aber dies bedeutet nicht, daß alle Demonstranten antisemitisch sind; nicht einmal die, die im Eifer des Gefechts etwas sagen, das eventuell als antisemitisch verstanden werden könnte. Worte haben mit Sicherheit große Bedeutung. Aber für die Äußerung von Worten sollte in einer freien Republik eine große Duldungsbereitschaft, also Toleranz, bestehen. Es gibt Fälle, in denen Worte eine Straftat darstellen können, aber diese müssen eng definiert sein und sich auf Delikte wie Beleidigung und üble Nachrede beziehen, nicht auf unliebsame politische Meinungen oder moralische Wertungen.

5. Intoleranz als Bedingung für Freiheit

Der deutsche Nationalsozialismus war mit das Schlimmste an Diktatur, was es auf der Erde bislang gegeben hat, und der Holocaust gehört mit Sicherheit in die höchste Liga der Verbrechen nicht nur des 20. Jahrhunderts, sondern aller Zeiten. Dennoch, und dies ist wesentlich gerade für den Fortbestand der freien Republik, müssen diejenigen geduldet werden, die selbst dies völlig anders sehen. Wer den Holocaust für fiktiv oder eine alliierte Propagandalüge hält, irrt. Wer Hitler als sein Vorbild sieht und die NSDAP für wundervoll hält, hat eine abscheuliche politische Meinung. Und wir sollten in jedem Fall dafür sorgen, daß es öffentliche Diskussionen darüber gibt, und daß die vorliegenden Argumente vorgetragen werden, die den Schwachsinn widerlegen, den manche Leute in ihren Köpfen hervorbringen. Wir sollten jedes Argument der Nationalsozialisten zerpflücken, aber wir sollten nicht ihre Meinungen und Ansichten zensieren. (Wenn die Nazis natürlich gewalttätig werden, dann muß man einschreiten, aber nicht weil sie Nazis sind, sondern, weil sie gewalttätig sind!)

Ich zitiere bewußt diesen Extremfall herbei, weil es mir darum geht, klarzustellen, daß die Duldung jeder politischen Meinung letztlich die Voraussetzung der Duldung der eigenen politischen Meinung ist. Denn mit welchem Recht kann man für sich selbst Meinungsfreiheit reklamieren, wenn man sie anderen verweigert, weil man ihre Meinung für völlig falsch hält? Die Antwort lautet: man verliert damit letztlich das Argument für die Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit ist wie die Schwangerschaft: es gibt nicht ein bißchen davon. Meinungsfreiheit ist natürlich immer das Recht, eine falsche Meinung zu äußern. Daher ist die Duldung der freien Meinungsäußerung aller Bürger Sache der Toleranz. Intolerant handelt, wer Meinungsfreiheit einschränkt, weil Toleranz die Pflicht ist, auch die Menschen zu dulden, die man für in die Irre gegangen hält. Intolerant ist die Ablehnung des Rechts auch der verabscheuungswürdigsten Menschen auf die freie Äußerung ihrer perversen Meinungen.

Die Umdefinierung des Toleranzbegriffs hat dazu geführt, daß man heute glaubt, um tolerant sein zu können, müsse man irgendwie zumindest nicht gegen das Tolerierte sein. Neben den anderen Folgen der neueren Toleranzideologie, ist hier festzustellen, wie aus den vorigen Absätzen hervorgeht, daß die neue Bedeutung des Toleranzbegriffs indirekt die alte Deutung ausschließt. Denn wenn nur derjenige tolerant ist, der dem zu tolerierenden Verhalten zustimmt, dann heißt dies auch, daß die GRauzonen verschwinden. Vorher war es möglich, etwas kopfschüttelnd und zähneknirschend im Namen der Freiheit zu dulden, ohne dafür gesellschaftlich stigmatisiert zu werden. Doch unter der neueren Gebrauchsweise des Wortes Toleranz ist solches Verhalten schon inakzeptabel, wie wir gesehen haben. In diesem Sinne kann die Forderung nach „Duldung“ der Meinungen von Nazis nur als zumindest stillschweigende Unterstützung der Nazi-Ideologie verstanden werden, was bedeutet, daß es nicht gesellschaftlich akzeptabel ist, Toleranz für Nazi-Meinungen zu fordern.

Wenn Toleranz Zustimmung erfordert oder impliziert, dann kann niemand die Nationalsozialisten in einem Rechtsstaat tolerieren, weil die Tolerierung ihrer Ansichten durch den Rechtsstaat diesen zum Komplizen macht. Damit aber wird die Duldung politischer Meinungen durch den Rechtsstaat abhängig von dessen Auffassung, was gerade als akzeptabel gilt. Diese Wertung ist abhängig von der politischen Meinung der zuständigen Bürokraten und Politiker. Sobald man erst einmal akzeptiert, daß Ablehnung des Verhaltens einer Gruppe gleich Intoleranz bedeutet, ist der einzige Schutz vor der Tyrannei der Toleranz das Wohlwollen der paternalistischen Staatsführungen. Die Erfahrung zeigt, daß Macht korrumpiert. Welche größere Macht könnte aber ein Staat über die Menschen haben, als die der Zensur ihres politischen Denkens? Denn dieses politische Denken ist es, das den für die Wahlentscheidung wesentlichen politischen Diskurs prägt. Werden bestimmte Ansätze von vornherein durch den Staat ausgesondern, wird implizit sichergestellt, daß nur die Auffassungen akzeptiert werden, die das „Gütesiegel“ der Toleranz durch den Staat tragen.

Doch sollte nicht eigentlich das Volk den Staat kontrollieren? Aber wie soll das Volk dies noch tun, wenn der Staat die Macht hat, bestimmte Ansichten als intolerant zu brandmarken, weil er ihnen nicht zustimmt (das ist das Kriterium für Intoleranz im Rahmen der modernen Definition), und somit die respektable Konkurrenz auf die Strömungen zu reduzieren, die der Staat als gut ansieht? Wenn eine staatliche Bürokrate bestimmte Wettbewerber aussortiert, die ihr nicht zusagen, gibt es keine Demokratie mehr, sondern nur noch eine „gelenkte“ Demokratie, auch könne man von einer Demokratieillusion sprechen (was die EU derzeit treffend charakterisiert!).

Wenn man akzeptiert, daß es „intolerant“ ist, vehemente Kritik zu üben, dann reduziert man Intoleranz auf bloßes subjektives Wohlbefinden. Jeder kann sich plötzlich verletzt fühlen, und da man niemandem nachweisen kann, daß er nicht verletzt wurde durch die „bösen Worte“ des Anderen, bleibt der Makel der intoleranz an jedem Kritiker hängen, der nicht umsichtig genug ist. Aus dieser verfehlten Ansicht der Intoleranz leiten sich die oben beschriebenen Folgen unweigerlich ab. Akzeptiert man erst einmal die Prämisse und erklärt es für unzumutbar, offen über die vehemente Ablehnung bestimmter VErhaltensweisen zu sprechen, schaufelt man nicht der Intoleranz ein Grab, sondern der Freiheit.

Nicht richten zu wollen ist an sich eine ganz gute Idee. Das Richten verbieten zu wollen untergräbt das Fundament unserer Verfassung, die Meinungsfreiheit; und damit letztlich auch die Toleranz.

6. Konklusion: Toleranz als Sekundärtugend

Denn Toleranz ist bestenfalls eine Sekundärtugend. Sie ist immer nur zu einem Zweck da. Toleranz an sich gibt es nicht. Man kann nur etwas dulden, also tolerieren, um der FReiheit willen zum Beispiel. Wie alle Sekundärtugenden kann sie mißbraucht werden. Eine freie Gesellschaft braucht disziplinierte (selbst-disziplinierte!) Bürger, aber ein KZ braucht ebenfalls disziplinierte Menschen, in diesem Fall Folterknechte. Eine freie Gesellschaft braucht die moralische Wertung, auch das Recht der Individuen, harsch über andere zu urteilen, bis zu dem Punkt, daß diese sich angegriffen fühlen. Es gibt kein Recht darauf, nicht scharf kritisiert zu werden, es sei denn man bleibt ausschließlich allein in seiner Wohnung oder lebt als Eremit. Dann kann man sich darauf zurückziehen, nicht den Kontakt gewollt zu haben. Eine freie Gesellschaft braucht den harschen Diskurs, auch über persönliches Verhalten. Auch eine Diktatur kann solche Diskurse zur Unterdrückung nutzen, um Stimmung gegen bestimmte Volksgruppen zu machen. Toleranz kann befreien, wenn man sie richtig versteht. Aber wenn man sie verabsolutiert und sie so weit aufbläht, daß harsche Kritik oder scharfe Ablehnung persönlicher Einstellungen als intolerant gilt, richtet sich durch die Toleranz ein REgime der Intoleranz auf.

All diese Tugenden sind Sekundärtugenden. Sie sind Tugenden ersten Ranges, aber wir brauchen sie nicht an sich, sondern für einen Zweck. Ob sie positiv sind oder nicht, hängt von dem Zweck ab, für den sie eingesetzt werden. Eine Waffe kann Leben retten, wenn man in Notwehr einen Killer außer Gefecht setzt. Aber auch der Killer könnte mit einer Waffe töten. Es handelt sich um bloße Instrumente, die an sich wertneutral sind. Dies gilt in diesem Zusammenhang auch für die Toleranz.

Freiheit erfordert Toleranz, aber Toleranz kann entarten, wenn man sie nicht als Adjutanten der Freiheit, sondern als Garanten der Gleichheit sieht. Unterschiede in den Anschauungen der Menschen sind unvermeidlich, da politische und moralische Einstellungen subjektiv geprägt werden. Daher ist auch scharfe Kritik unvermeidlich, in jeder Hinsicht. Daß alle Menschen alle anderen Menschen lieben ist eine Utopie und zwar eine dümmliche. Menschen sind verschieden und als Personen können sie niemals gleich werden. Solange es aber Ungleichheit gibt, wird es unterschiedliche Ansichten zu allen wesentlichen Themen geben. Wenn wir nicht wollen, daß die Gesellschaft eine permissive starre einnimmt und sich alles gefallen läßt, auch und gerade von der Staatsgewalt, dann müssen wir uns stark dafür machen, daß wir wieder zu kritisieren lernen, zu streiten lernen. Dafür muß aber erst der fehlgeleitete Toleranzbegriff fallen.

Angela Merkel log in ihrer Regierungserklärung, als sie sagte, ihre Regierung wolle „Mehr Freiheit wagen“. Willy Brandt hatte gute Absichten, als er von „mehr Demokratie wagen“ sprach. Beides wäre dringend notwendig, doch beides geht nur, wenn wir die Tyrannei der Toleranz, um noch einmal Jim Kalb zu zitieren, überwinden. In diesem Sinne, was muß getan werden? Um ein letztes Mal das Wort in seiner fehlgeleiteten Bedeutung (Toleranz = Befürwortung des fraglichen Verhaltens) zu verwenden: Wir müssen mehr Intoleranz wagen.

Nur um es noch einmal klar zu stellen: Wir müssen eigentlich mehr Toleranz wagen. Aber dazu müssen wir erst einmal den falschen Toleranzbegriff abstreifen. Toleranz ist bloße Duldung, sonst nichts. Davon brauchen wir mehr. Aber Toleranz als kaum verhüllte Keule zur Egalisierung aller Verhaltensweisen erstickt die demokratische Diskussion und erstickt Freiheit.

Nieder mit der Toleranz! Es lebe die Toleranz!

Hier nun meine zweite Artikelempfehlung für heute. (Vergleiche den Eintrag direkt unter diesem)

Jim Kalb: The Tyranny of Tolerance

In diesem recht langen Artikel deutet Kalb an, daß die moderne Umdefinition des Toleranzbegriffs keine positive ENtwicklung ist, sondern eine prinzipiell tyrannische politische und gesellschaftliche Ordnung hervorruft. Er ist in seiner Gänze lesenswert, und hätte eigentlich einen längeren Kommentar meinerseits verdient, der möglicherweise auch noch folgen wird, aber nicht jetzt. Hier ein kurzer Auszug:

The advanced liberal state emphasizes freedoms relating to individual indulgence, granting them generously and indeed making them almost absolute. Such freedoms, along with those relating to career and consumption, correspond to the human goods liberalism recognizes, and they aid the operation of the system by keeping the people occupied and away from public affairs. The promotion of private forms of pleasure and expression not essentially connected to the concerns of others, and so readily commercialized and otherwise made manageable, becomes basic public policy.

Such an arrangement is not new: the Roman state kept the proletariat quiet with bread and circuses. Prosperity, electronics, and social complexity have expanded the menu of diversions and soporifics but the principle is similar. (…)

Freedom thus becomes a matter of private license, while self-government disappears. Governing the people by encouraging them to be self-involved and self-indulgent even generates its own justification, since it makes them less able to rule themselves and so makes it more necessary for government to act as their custodian. The strategy draws support not only from experts, educators, and welfare-state administrators on the left, but also from businessmen on the right, who after all have no objections to careerism and consumerism. Since those groups dominate the main political parties, serious political opposition is minimal.

Selten faßt ein Artikel so gut die Gründe, warum die meisten heutigen deutschen „Konservativen“ ebenso abzulehnen sind, wie ihre Linken Gegenspieler. Die Linke unterstützt im WEsentlichen die Tyrannei der (falsch verstandenen) Toleranz, und führt damit eine Kultur herbei, in der die harmlosen Äußerungen eines Jugendlichen als Sexismus, die Kleidungsfarbe einer Vizepräsidentschaftskandidatin (Palin trug weiß) als klanfreundlicher Rassismus und die Opposition zur Homo-Ehe als Homophobie gesehen werden. Alle diese VErhaltensweisen können unter gewissen Bedingungen sogar als „Hate Crimes“, wie sie international genannt werden, und inzwischen in den USA, Kanada und der EU üblich sind, bestraft werden. Die Verfolgung andersdenkender Menschen sollte durch den Gedanken der Toleranz überwunden werden. Aber inzwischen hat sich herausgestellt, daß das Problem der radikalen Intoleranz nicht die Intoleranz, sondern die Radikalität war; daß also eine „radikale Toleranz“ in dem Sinne, daß jeder, der nicht die allgemein akzeptierten Werte fraglos nachbetet, als intolerant, reaktionär oder sexistisch/rassistisch/homophob zu gelten habe (vgl. Bischof Mixa oder Eva Herman) ebenso zur Tyrannei und zur Vernichtung von FReiheit führt, wie ihr Gegenstück.

Diese Kultur des ständigen Verdachts auf unsensible, inakzeptable Äußerungen, der politisch korrekten Sprachregelungen und juristischen Denkverbote ist im WEsentlichen ins Leben gerufen worden, durch diejenigen auf der Linken. Doch wäre dies niemals möglich gewesen ohne die stillschweigende Duldung durch „Rechte“, gemäßigte Konservative. Diese unterstützen, wie aus dem Artikel hervorgeht, die materialistischen Werte des Konsumismus und der VErwirtschaftung des Lebens, die aus der radikalen Rationalität folgen, welche wiederum eng verbunden ist mit der radikalen Toleranzideologie aus Gründen, die in dem Artikel sehr gut dargestellt werden und auf die ich nicht näher eingehe an dieser Stelle.

Ich möchte abschließend noch darauf hinweisen, daß es zwei verschiedene Gebrauchsweisen dfes Wortes Toleranz gibt. Beide sind sehr unterschiedlich zu bewerten. Generell negativ ist Toleranz in dem Sinne, daß jede Form von Unterschieden zwischen Menschen, so natürlich, gering oder erträglich sie auch sein mögen, prinzipiell als nicht statthafte DIskriminierung zu verstehen sei. Toleranz verstanden in diesem Sinne führt zur Tyrannei der Toleranz, um die es in dem oben genannten Artikel geht. So verstandene Toleranz verneint jeglichen natürlichen Unterschied zwischen Menschen, der sich aus akzidentiellen Eigenschaften ergibt und verneint damit letztlich die Personalität aller Menschen, welche sich eben aus dieser individuiellen Unterschiedlichkeit der Eigenschaftskonfiguration ergibt. (Hierzu verweise ich auf meinen Artikel „Zur Legitimität der Diskriminierung“, auf den ich oben bereits verlinkt habe)

Toleranz kann aber auch etwas Positives sein. Dann nämlich, wenn man folgende zwei Definitionen akzeptiert:

1. Freiheit ist immer auch das Recht zu irren.

2. Toleranz ist die Pflicht, die Irrtümer anderer Menschen zu akzeptieren.

Dies bedeutet, daß es nicht intolerant ist, ein VErhalten eines Menschen für falsch zu halten; daß es also nicht intolerant wäre, wenn man es für falsch hielte, daß eine Frau auf Kinder verzichtet, um Karriere machen zu können. Solches Verhalten heißt Kritik und hat in einer freien Republik zulässig zu sein. Voltaire wäre für dieses Recht sogar gestorben, wenn man seinen Worten glauben mag („Ich verabscheue Ihre Meinung, wäre aber bereit, dafür zu sterben, daß Sie sie äußern dürfen“). Intolerant ist es nur, wenn man nicht bereit wäre, zu akzeptieren, daß sich besagte FRau eben nicht umentscheidet, bloß weil man ihre Entscheidung für falsch hält.

In diesem Sinne wäre es nicht intolerant, wenn ein Christ einen Homosexuellen von der SÜndhaftigkeit seines Weges zu überzeugen sucht, und es wäre nicht intolerant, wenn der Homosexuelle den Christen von den Freuden gleichgeschlechtlicher Beziehungen zu überzeugen sucht. Toleranz wäre nicht die Pflicht, anderer Menschen MEinungen zu mögen, nur die Pflicht, sie zu akzeptieren, wenn auch, vielleicht, zähneknirschend. Der Christ müßte also akzeptieren, daß der Homosexuelle sein Verhalten nicht zu ändern gedenkt, und der Homsexuelle wäre verpflichtet, den Christen sein Leben weiterleben zu lassen. Ginge einer der beiden mit GEwalt oder ähnlichen Zwangsmitteln vor, wäre sein VErhalten intolerant.

Es wäre aber nicht nur intolerant, es wäre auch automatisch illegal; deswegen wären Gesetze, die „Intoleranz“ gegen irgendwelche Menschengruppen verbieten überhaupt nicht notwendig. Jede strafwürdige Intoleranz wäre automatisch auch an sich eine Straftat.

So kann Toleranz zu einer der „Sekundärtugenden“ einer guten Gesellschaft werden: Als Adjutant der Freiheit entfaltet die Toleranz eine positive Kraft, die sich auf mehr Freiheit richtet.