Könnte man aus dem breiten Feld der Vorwahlen aller Parteien einen Kandidaten aussuchen, der der nächste Präsident der USA werden sollte, so ließe sich die Wahl relativ schnell auf einige wenige Personen einengen. Alle Betrachtungen über wesentliche Themen ergeben erst dann Sinn, wenn jedem Menschen überhaupt erst einmal die Chance gegeben wird, die Folgen der (Fehl-)Entscheidungen in den wesentlichen politischen Fragen zu erleben, das heißt wenn ihm die Chance gegeben wird, zu leben. Auch wenn die Frage des Lebensrechts vorwiegend in den Köpfen der Individuen entschieden wird, also die Bevölkerung zu der Einsicht kommen muß, daß das Töten von menschlichem Leben keine Lösung für unbequeme oder ernsthaft problematische Schwangerschaften ist, so ist es dennoch unerläßlich, daß eine Gesellschaft unmißverständlich ausdrückt, daß die „Entscheidung“ zur Abtreibung mißbilligt wird, wie jede andere „Entscheidung“ zur Tötung von Menschen auch, und das heißt per gesetzlichem Verbot. Daher scheiden alle Kandidaten, die die amerikanische Gerichtsentscheidung Roe v. Wade, durch die in allen 50 Bundesstaaten nahezu alle Restriktionen gegen die hemmungslose Tötung von ungeborenen Kindern aufgehoben wurden, befürworten, von vornherein als mögliche Wahlen aus. Dies eliminiert alle demokratischen Kandidaten und den Folterknecht Giuliani ebenso aus dem Wettbewerb, wie den Grünen Nader und alle „Standard-Libertären“, die Freiheit als Freiheit von Respekt gegenüber dem menschlichen Leben mißverstehen.
Es wäre ferner wünschenswert, daß ein Kandidat die traditionelle Familie nicht untergraben will. Für die amerikanische Politik bedeutet dies, daß ein Kandidat den „Defense of Marriage Act“ unterstützen sollte, und der Auffassung sein, daß es die Aufgabe der demokratisch gewählten Parlamentarier und des Volkes selbst sein sollte, über die Definition der Ehe zu entscheiden, und nicht die Aufgabe einer winzigen Elite von ungewählten Richtern (wie kürzlich in Kalifornien, und vor vier Jahren in Massachusetts geschehen, jeweils mit 4:3-Entscheidungen).
Opposition zu unfairen Quotenregelungen oder umgekehrter Diskriminierung („Affirmative Action“), ein klares Bekenntnis zum Second Amendment (dem Recht der Amerikaner, sich selbst mit Waffen zu verteidigen, notfalls auch gegen eine tyrannisch gewordene Regierung), Einsatz für die Ausweitung der in den USA bereits in Ansätzen vorhandenen Bildungsfreiheit, und Gegnerschaft zu imperialen Kriegen der USA wie etwa in Afghanistan und im Irak, aber auch zu Zeiten Bill Clintons etwa im Kosovo wären Positionen eines guten Kandidaten für das Amt des US-Präsidenten.
Obwohl es natürlich noch viele andere wichtige Fragen gibt, sind dies doch erst einmal sechs Anhaltspunkte. Nur wenige Kandidaten schaffen es, in mindestens vier dieser sechs Themengebiete auf der richtigen Seite zu stehen, also über 50% zu erreichen:
pro-life: Paul, Huckabee, McCain, Keyes, Thompson, Baldwin, Tancredo, Hunter
für die Verteidigung der traditionellen Familie gegen Angriffe durch aktivistische Richter: Paul, Huckabee, McCain, Keyes, Baldwin, Tancredo, Hunter
gegen umgekehrte Diskriminierung: Paul, Huckabee, McCain (neuerdings), Keyes, Baldwin, Tancredo, Hunter
Second Amendment: Paul, Huckabee, McCain, Keyes, Baldwin, Tancredo, Hunter
Bildungsfreiheit und Homeschooling: Paul, Huckabee, Keyes, Baldwin, Tancredo, Hunter.
Wird die Aufzählung der ewig gleichen Namen langsam langweilig? Dann kommt jetzt einmal etwas anderes:
Bescheidene Außenpolitik statt demokratistische Missionarstätigkeit: Paul, Baldwin
Es stellt sich heraus, daß es zwei Kandidaten gibt, die in allen sechs Themengebieten auf der „richtigen“ Seite der Debatte stehen: Ron Paul und Chuck Baldwin. Beide haben noch den zusätzlichen Vorteil auch in den meisten anderen politischen Bereichen die richtigen Ideen zu haben (Folter (dagegen), Patriot Act (dagegen), Innere Sicherheit, Immigration), und auch charakterlich und persönlich für den Job des Präsidenten geeignet zu sein. Vielleicht ist jemandem aufgefallen, daß der ehemalige Obermormone von Massachusetts fehlt, obwohl er doch in einigen dieser Bereiche ebenfalls gute Positionen vertritt. Dies liegt nicht daran, daß ein Republikaner aus Massachusetts, der ein Amt errungen hat, von vornherein suspekt ist (denn MA ist so demokratisch und liberal, daß eigentlich kein „echter“ Republikaner gewinnen kann), sondern daran, daß Romney seine Positionen häufiger wechselt, als Ferrari zu Zeiten der Vier-Stop-Strategie die Reifen. Daher ist es mir nicht möglich, ihn einzuordnen (aber besser als McCain ist er wahrscheinlich auch nicht). Informationen über die Positionen der Kandidaten können auch bei OnTheIssues nachgeschlagen werden, falls man mir nicht glaubt, oder einen noch andere Themenfelder interessieren. Alan Keyes ist zu hart und unnachgiebig in einigen Bereichen, er tendiert zu einer gewissen Militanz in der Debatte, und hat deswegen vielleicht nicht die erforderliche Persönlichkeit für das Präsidentenamt, trotz einer enorm hohen intellektuellen Schärfe und vielen guten Positionen. Hunter und Tancredo sind in keiner Weise besonders positiv aufgefallen, und daß Tancredo (im Zorn) sagte, er wolle Mekka bombardieren, wirft ein sehr negatives Licht auf sein Temperament – was ein Präsident schon halbwegs unter Kontrolle haben sollte
Wie ich oben erwähnte haben Chuck Baldwin und Ron Paul einige sehr beachtenswerte Vorteile in fast allen relevanten Themenfeldern. Mike Huckabee wäre ebenfalls eine sehr gute Wahl mit 5 von 6 möglichen Punkten, einer starken Betonung traditioneller Werte, verbunden mit einer sympathischen und ehrlichen Persönlichkeit und einer ihn von anderen Mitgliedern der religiösen Rechten unterscheidenden Fähigkeit, sich selbst nicht als Nabel der Welt zu sehen und auch Kompromisse zu machen. Ferner hat Huckabee als einziger der drei Kandidaten in der engeren Auswahl tatsächlich einmal etwas regiert (er war über 10 Jahre sehr erfolgreicher Gouverneur von Arkansas), und er ist in Hope geboren!
Alle drei wären vermutlich überdurchschnittlich gute Präsidenten. Jeder von den dreien hat noch einen Vorteil, den die anderen beiden nicht haben: Paul ist inhaltlich in einigen Fragen noch eine Spur besser als Baldwin und Huckabee (Baldwin ist in manchen Fällen etwas zu religiös und Huckabee unterstützt zu stark die interventionistische Außenpolitik der aktuellen Regierung) Er ist auch derjenige, der sich am längsten und ausdauerndsten für die Wiederherstellung einer begrenzten, verfassungsmäßigen Macht der Regierung eingesetzt hat.
Huckabee ist von den dreien der mit Abstand beste Redner und extrem überzeugend in der Vermittlung der Inhalte, daher hätte er auch die beste Chance, eine Wahl zu gewinnen. Vielleicht ja 2012.
Was mich zum entscheidenden Punkt bringt. Wir haben jetzt gesehen, welche Kandidaten die besten Voraussetzungen für das Amt hätten, doch eine Voraussetzung fehlt noch: Man muß antreten. Und damit bin ich beim Vorteil von Chuck Baldwin angelangt. Er ist der einzige, der derzeit noch kandidiert. Paul baut eine Bewegung innerhalb der republikanischen Partei auf, was nötig und wünschenswert ist. Huckabee tut dies auf seine Weise auch, und wird vielleicht, im Falle eines Obama-Sieges, 2012 der Gegenkandidat werden. Doch Baldwin tritt an.
Allerdings wird dieser Vorteil minimiert durch Baldwins Kandidatur für die Constitution Party, die zwar eine inhaltlich sehr interessante Partei ist, aber keinerlei Chance hat, ihren Kandidaten ins Weiße Haus zu befördern. 1% wäre ein historischer Wahlerfolg für diese lobenswert idealistische Gruppierung.
Damit kommen wir zur eigentlichen Frage: Ist es sinnvoll, das kleinere Übel zu wählen? McCain ist pro-Life, für eine demokratische und föderalistische Lösung der Frage der Homo-Ehe, zumindest nicht für umgekehrte Diskriminierung, für die Einhaltung des Second Amendment und sicher nicht so stark gegen Bildungsfreiheit wie Obama. In der Frage der Außenpolitik gibt es nur zwei Möglichkeiten: Wenn die Demokraten wirklich gegen imperialistische Kriege sind, wie Obama ja nicht müde wird zu behaupten, dann droht von McCain in diesem Punkt keine Gefahr, denn der Kongress wird mit Sicherheit demokratisch bleiben. Sind sie nicht wirklich gegen imperialistische Kriege, dann wäre Obama auch keine Lösung. Also kann McCain nicht viel Schaden anrichten, wenn er gewählt wird. Er wäre also das kleinere Übel gegenüber Obama.
Aber sollte man das kleinere Übel denn wählen? Darauf gibt es keine fundamental richtige oder falsche Antwort. Es kommt immer auf die zur Verfügung stehenden Übel an, und auf jeden persönlich. Ich bin aber davon überzeugt, daß ein Präsident Obama ein sehr schlechter Präsident wäre, denn er ist in allen wesentlichen Fragen exakt auf der falschen Seite der Themen, und ist das, was man in den USA gern einen doktrinären Liberalen nennt, also jemanden, der am äußersten linken Rand des politischen Spektrums steht, und der ferner bislang in keiner Weise etwas erreicht hat, was sich als politischer Erfolg zählen ließe. Ich werde jetzt nicht all die Punkte aufzählen, die gegen Obama sprechen, aber zusammengefaßt könnte ich sagen: abgesehen von seiner Hautfarbe fast alles. Und die spricht zwar nicht gegen ihn, aber auch nicht für ihn, da ich in Rassenfragen neutral bin (also weder ein weißer noch ein schwarzer Rassist).
Deswegen bleibt nur zu hoffen, daß McCain die Wahl gewinnen wird, und die Demokraten irgendwann einmal die Lektion lernen, daß sie selbst in für sie extrem positiven Jahren mit einem doktrinären, arroganten, elitären Liberalen nicht gewinnen können.
Bis dahin freue ich mich, daß ich nicht wirklich wählen muß, aber das Problem der Wahl wird sich 2009 in Deutschland ja nicht leichter gestalten, denn hier gibt es noch weniger Alternativen als in den USA.
Also in diesem Sinne: Mike McPaulwin For President.