Feminismus und Machtinteressen

Ich habe vor kurzem dargelegt, warum es inakzeptabel ist, bestimmte Gruppen in irgendeiner Form staatlich zu bevorzugen. Da die Argumentation eigentlich ziemlich einfach und verständlich ist, stellt sich natürlich die Frage, warum dennoch nicht nur eine Strömung, sondern eigentlich alle herrschenden Strömungen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft die Beibehaltung und sogar den weiteren Ausbau der umgekehrten Diskriminierung fordern. Daß dies der Fall ist, kann jeder aufgeklärte Mensch tagtäglich in allen Medien feststellen. Immer wieder ist die Rede von Quoten, von der angeblichen Notwendigkeit, immer verrückter klingende Diskriminierungen durch staatliche Intervention auszugleichen. Eine nicht so häufig erwähnte Maßnahme zum Ausgleich für angebliche Nachteile von Frauen in der Gesellschaft ist zum Beispiel der Mythos Häusliche Gewalt. Sicher gibt es Fälle, in denen brutale Ehemänner ihre Frauen verprügeln. Allerdings zeigt sich in allen Untersuchungen zu diesem Thema immer wieder, daß häusliche Gewalt keine Einbahnstraße ist (ein Artikel dazu, mit Links zu mehreren Untersuchungen findet sich hier), und daß Frauen und Männer sich in dieser Frage eigentlich gar nicht allzu sehr unterscheiden. Dennoch werden in fast allen einschlägigen Programmen gegen häusliche Gewalt immer Männer einseitig als Täter dargestellt, und Frauen sind immer die Opfer. Dies hat einige grausige Folgen für die betroffenen Menschen.

Aber die Frage dieses Artikels ist, warum es zu solchen Forderungen kommt, welche Motive und welche Ideen dahinter stecken. Da die Denkrichtung, die zu diesen Forderungen immer positiv eingestellt ist, der Feminismus ist, erscheint es sinnvoll, die Ziele dieses Feminismus kurz zu überblicken. Natürlich ist die ideologische Vielfalt des Feminismus ebenso unübersichtlich und sektiererisch, wie die diversen kommunistischen Splittergruppen, aber um die Details soll es hier gar nicht gehen. Eigentlich alle Feministen können sich zumindest auf ein gemeinsames Ziel einigen: Die Emanzipation der Frau. Doch wovon soll sich die Frau eigentlich emanzipieren? Und warum? Die Antwort darauf kann nur lauten: Frauen sollen sich von den Bindungen der traditionellen Familie und der bewährten Rollenmodelle befreien, sie sollen sich von gesellschaftlichen Erwartungen an das, was eine Frau tut und was sie will, emanzipieren, sie sollen sich von historisch gewachsenen Verhaltensweisen lösen.

Politisch und gesellschaftlich haben sich diese Forderungen weitgehend durchgesetzt. Nur sehr vereinzelt läßt sich etwa eine Verteidigung der traditionellen Mutterrolle noch vernehmen, und wenn dann wird sofort der Vorwurf erhoben, Frauen an den Herd verfrachten zu wollen (selbst wenn dies gar nicht stimmt), man denke nur an den Zirkus um Eva Herman.

Dennoch sollte in einer freien Gesellschaft auch eine eindeutig herrschende Ideologie immer wieder hinterfragt werden, insbesondere wenn die von ihr produzierten Politiken und Ergebnisse erschreckend sind. Fast 40 Jahre lang haben nun feministische Ideen im Wesentlichen die öffentliche Debatte beherrscht. Von der Forderung nach der Freigabe der Tötung ungeborener Kinder zwecks Vermeidung von Unbequemlichkeiten (Abtreibung auf Verlangen) in den 70er-Jahren, zur Veränderung der Scheidungsregelungen bis hin zu modernen Forderungen nach einer flächendeckenden Krippenversorgung. Worin besteht der gemeinsame Nenner all dieser Forderungen, die vom politisch-industriell-medialen Komplex freudig gepriesen und umgesetzt werden? Immer geht es um die Lösung von entweder gesellschaftlich gewachsenen oder natürlich existierenden Verpflichtungen der Frauen. Es geht also um die völlige Ablehnung jeder Verantwortung der Frau für ihre Handlungen. Wenn sie Sex hat und schwanger wird, dann ist es ihr natürlich nicht zuzumuten, ihr Kind auch auszutragen, daher muß sie es töten dürfen… Wenn sie ein Kind zur Welt bringt, dann ist es ihr natürlich nicht zuzumuten, für die Erziehung dieses Kindes auch Verantwortung zu übernehmen (und dem Mann kann man das scheinbar auch nicht zumuten, denn man gibt dem verantwortungslosen Vater ja die Ausrede “du hättest ja abtreiben können, oder nicht? Es war deine Entscheidung das Kind zu bekommen, nicht meine. Also lebe jetzt auch damit. Ich bin da raus…”), und deswegen soll der Staat den Eltern die Kinder möglichst früh abnehmen, damit die Frau auch auf gar keinen Fall ihre hochgeliebte Karriere unterbrechen, oder, Gott behüte, gar aufgeben muß. Das wäre ja schrecklich.

All diese feministischen Forderungen heben also darauf ab, der Frau Freiheit ohne Verantwortung zu geben. Dies ist natürlich weder richtig noch auf Dauer möglich. Aber aus dieser Mentalität kommt auch der Anspruch nach der “Frauenförderung”. Denn schließlich soll die Frau zwar frei sein, alle Karrierewünsche zu verfolgen, auf deren Verfolgung sie in unserem “Schulunwesen” gedrillt wurde, aber sie soll sich dafür möglichst nicht anstrengen müssen. Und worin besteht denn hier noch die Freiheit? In einer Gesellschaft in der von allen kulturellen, medialen und selbst schulischen Instanzen der eindeutige Aufruf ausgeht, jeder Mensch solle “unabhängig” und “ungebunden” sein, in der diese beiden Begriffe bloß materiell verstanden werden, wächst natürlich der Druck auf die angeblich so freie Frau, einen bestimmten Pfad einzuschlagen (denn auch hier gibt es auf Dauer keine Freiheit ohne Verantwortung, denn wem die Verantwortung für die eigene Entscheidung abgenommen wird, der ist auch nicht mehr frei).

Aber das Ziel dieses Artikels sollte nicht aus dem Auge verloren werden: den Gedankengang nachzuzeichnen, der zu der Forderung führt, Frauen gegenüber Männern in jedem Gesellschaftsbereich vorzuziehen, mindestens solange, bis 50-50- Parität erreicht ist. Wie wir also feststellen konnten, geht es um die Erlangung der Freiheit, machen zu können, was immer man will, ohne dafür den Preis zahlen zu müssen. Aber klar ist auch: Gesellschaftliche Zwänge wird es immer geben. Wenn die Gesellschaft von jemandem erwartet, Hausfrau und Mutter zu sein, ist das ebenso ein gesellschaftlicher Zwang, wie wenn die Gesellschaft Milliarden in die Frauenförderung investiert und dann erwartet, daß die geförderten Frauen auch gefördert werden wollen, und nicht doch den Weg der Hausfrau und Mutter einschlagen, welcher in diesem Land inzwischen gründlich diskreditiert worden ist, aus rein ideologischen Gründen.

Ferner spielt bei den Forderungen nach “Gleichheit” auch der Gedanke eine Rolle, daß Unterschiede zwischen Menschen allgemein ungerecht sind und verringert werden müssen. Dieses Argument habe ich in diversen Artikeln bereits entkräftet, man sehe sich nur auf diesem Blog einmal um.

Soweit diverse Betrachtungen über die feministische Seite dieses Arguments. Nicht übersehen werden sollte aber, daß trotz der immensen Kraft des Feminismus als Ideologie, dieser, insbesondere ob seiner erschreckenden intellektuellen und argumentativen Löchrigkeit, allein nicht fähig gewesen wäre, die Gesellschaft, das gesellschaftliche Denken, die Medienlandschaft, die Wirtschaft, und alle fünf relevanten politischen Parteien außerhalb Bayerns so vollständig unter Kontrolle zu bringen, und dazu noch über so lange Zeit. Um zu klären, warum die feministische Ideologie so erfolgreich ist, wäre sicher mehr erforderlich, als nur dieser eine Artikel. Ein wesentlicher Ansatz scheint mir aber folgender zu sein, der sich immer wieder bewährt: Cui bono?

Wer profitiert vom Feminismus? Zu wessen Vorteil gereicht die quasi-totalitäre Umformung der Gesellschaft zu einem Geschlechtsstaat, ähnlich einem Kastensystem oder der Apartheid? Eine offensichtliche Antwort ist schnell gefunden, wenn man sich fragt, was denn eines der wesentlichen Ziele des Feminismus war: wie gesagt, die Emanzipation der FRau vom Manne. Damit die FRau unabhängig vom Mann leben kann, muß sie in irgendeiner Form irgendwie ihren Lebensunterhalt sichern. Wenn man einmal von der zumindest heute hoffentlich nicht mehr ernsthaft vertretenen Idee des kommunistischen Paradieses absieht, in dem jeder das erhält was er will, ohne dafür etwas tun zu müssen, dann bedeutet das folgendes: eine FRau, die unabhängig vom Mann sein soll, muß finanziell unabhängig vom Brotverdiener Mann sein. Und das heißt hier natürlich: sie muß arbeiten gehen.

Wozu aber führt der massenhafte Strom von Frauen ins Erwerbsleben, der die Frauenerwerbsquote so massiv hat absteigen lassen? Vox Day, ein von mir sehr geschätzter Kolumnist und Spieleentwickler sagt es sehr klar in den folgenden Worten:

When women began to enter the work force en masse in the latter half of the 20th century, the overall supply of labor increased, obviously. As per the iron law of supply and demand, over the last 60 years, this increase in supply has somewhat outstripped the growth in the economy and the attendant demand for labor, which is why real wages are still lower in 2005 than in 1973.

Natürlich führt mehr Arbeitsangebot zu sinkenden Löhnen. Wenn man einmal die Gewerkschaften fragen möchte, so ist klar, wer sich sinkende Löhne wünscht: die Arbeitgeberseite. Unternehmen profitieren davon, wenn Menschen bereit sind, für immer weniger Geld zu arbeiten, denn es senkt schlicht ihre Kosten.

Wer profitiert also von dem erhöhten Zufluß der Frauen in den Arbeitsmarkt? Die arbeitende Frau? Nein, denn jede Frau hätte einen Vorteil davon, wenn sich ihre Geschlechtsgenossinnen der Teilnahme am Arbeitsmarkt enthielten, so daß der Druck auf die Löhne geringer wäre. Es profitiert die Unternehmerseite, die einen massenhaften Zufluß von Arbeitskräften erhält, zu wesentlich geringeren Löhnen als üblich. Die Unternehmen sind bereit, dafür eine Welle an ungeahnter staatlicher Regulierung in Kauf zu nehmen. An dieser Stelle lohnt es sich, sich in Erinnerung zu rufen, daß Unternehmen kein inhärentes Interesse an einem schlanken Staat haben, sondern diesen nur deswegen fordern, damit sie sich weniger an seiner Finanzierung beteiligen müssen. Das Interesse der Unternehmen ist nicht Bürokratieabbau, sondern Kostensenkung. Die Senkung der Lohnkosten ist für die Unternehmen so kostensparend, daß ein etwas teuerer Staat nichts dagegen ist (vor allen Dingen solange sich die Finanzierung der Mehrkosten durch Sozialabbau oder Erhöhung von Lohn- oder Konsumsteuern finanzieren läßt).

Wir sehen also, daß es im Interesse der Arbeitgeber ist, immer mehr Frauen ins Erwerbsleben zu holen (und nebenbei: sie länger arbeiten zu lassen (Rente mit 67, früherer Berufseinstieg durch verkürzte Bildungszeiten, Arbeitszeitverlängerung)). Je mehr Frauen arbeiten gehen, desto niedriger sind die Löhne. Und je niedriger die Löhne sind desto weniger Familien sind in der Lage mit einem Einkommen auszukommen, desto mehr Frauen gehen arbeiten, desto stärker sinken wieder die Löhne und immer so weiter. Ein wahrhaftiger Teufelskreis, dessen Schmieröl die feministische Ideologie ist, die inzwischen alle Ritzen der Bildungs- und Familienpolitik durchdringt.

In den Schulen findet von frühesten Klassenstufen an eine systematisch Indoktrinierung der Kinder statt, hin zu einer Ideologie, die die Entscheidung für einen Beruf und den Einstieg in den genannten Teufelskreis als alternativlos darstellt. Programme, die insbesondere Mädchen dazu drängen sollen, eine Karriere in einem traditionell von Männern dominierten Beruf zu zu beginnen, werden massiv aus Steuermitteln gefördert. Millionen werden jährlich für das sogenannte “Gender Mainstreaming” ausgegeben, das jegliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern beseitigen soll. Kein Preis ist derzeit zu hoch, um mehr Frauen in den Arbeitsmarkt zu stoßen – und die Frauen lassen es mit sich machen, verblendet von einer feministischen Ideologie, die ihnen von Kindesbeinen eingetrichtert wird, und zu der sie nur die Alternative “Unterdrückung durch das Patriarchat” kennen. Kein Preis ist zu hoch, um die massenhafte Täuschung der Frauen aufrecht zu erhalten, die besagt, daß der einzige Weg zum Glück die Verfolgung einer Karriere und der berufliche Erfolg ist. Einer der größten Fehler der meisten Männer ist es, diese Täuschung zu glauben, und den Erfolg in der Erwerbsarbeit über alles andere zu stellen – selbst über ihre eigene Familie. Müssen wir Frauen auch noch darin bestärken, blind hinter den Fehlern der Männer herzurennen, von denen sie sich zu emanzipieren gedachten?

Einige der Menschen auf der linken Seite des politischen Spektrums, die sich ernsthaft und ehrlich für mehr Gerechtigkeit, gegen sinkende Löhne, gegen einen globalen “Raubtierkapitalismus” einsetzen, die mit großem Idealismus eine bessere Welt wollen, in der Freiheit und Gerechtigkeit kein WIderspruch sein müssen, einige dieser sehr geschätzten Bürger kämpfen zugleich für die Ziele der “Geschlechtergerechtigkeit”. Es stimmt traurig, wenn man sieht, wie diese Menschen unwissentlich genau dem Kapitalismus die Stange halten, den sie zu domestizieren gedenken, genau die Vermarktung der Gesellschaft befördern, deren Verhinderung sie sich auf ihre Fahnen geschrieben haben. Und es ist erschreckend, wie bereitwillig viele bedenkenswerte Ideen auf dem Altar des radikalen Feminismus geopfert werden – links wie rechts der Mitte.

Wenn die kapitalistische Wirtschaftsordnung völlig freies Spiel hat, und Schumpeters schöpferische Zerstörung zuläßt, kommt es zur Freiheit, mit vielen Kollateralschäden

Wenn der Staat massive Interventionen durchführt, um den Kapitalismus nach den Bedürfnissen des Menschen und seiner Gesellschaftsstrukturen zu verändern, und das Leben der Menschen und Unternehmen durchreguliert, kommt es zur Lähmung des Wirtschaftslebens durch Unfreiheit, aber mit hoher sozialer Gerechtigkeit.

Und wenn der Staat massive Interventionen durchführt, um die Menschen und seine Gesellschaftsstrukturen nach den Bedürfnissen des Kapitalismus zu verändern, kommt es zur Unfreiheit, aber mit vielen Kollateralschäden und niedriger sozialer Gerechtigkeit.

Genau das tut er derzeit mit dem Feigenblatt der feministischen Ideologie, im Sinne von Großunternehmen, deren Absicht die Senkung von Löhnen und die Entrechtung arbeitender Bürger ist, und allzu oft im Einklang mit einer uniformen politischen Orthodoxie, deren bloße Anzweiflung bereits den Ausschluß aus dem Kreis der erwünschten Gäste in der deutschen Medienlandschaft bedeutet. In diesem Zusammenhang ergibt dann plötzlich auch die Frauenförderung einen wirtschaftlichen und politischen Sinn, nur ist es nicht die Förderung der Frauen.

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Ein Kommentar Leave a comment.

  1. [...] Kindern mehr und mehr zu atomisieren – im Namen der Steigerung der Frauenerwerbsquote (ich hatte hier darüber [...]


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